Freitag, 7. November 2014

Deux jours, une nuit (Zwei Tage, eine Nacht)

Eine junge Mutter, sie wird von einer zerknirschten Marion Cotillard gespielt, wird durch das Klingeln des Telefons aus dem Schlaf gerissen. Obwohl die Gegenseite nicht zu hören ist, weiß man sofort: Es sind schlechte Nachrichten, die sie da erreichen. Nicht weinen, sagt sich Sandra kurz darauf, eilt ins Badezimmer – und tut es doch. Gerade erst von einer langen Erkrankung zurück, soll sie ihren Job bei einem mittelständischen Unternehmen verlieren. Eine letzte Abstimmung wird es nach dem Wochenende noch geben, auf der ihre Kollegen zwischen einer Bonuszahlung von je 1.000 Euro und dem Erhalt von Sandras Stelle wählen müssen. Zwei Tage bleiben der Verzweifelten, ihre Kollegen zu überzeugen, für sie zu stimmen.

Deux jours, une nuit ist nach der erzählten Zeit des leisen Dramas benannt. Zwei Tage, eine Nacht – das ist die Gnadenfrist, die der ohnehin gepeinigten Sandra bleiben, ihre bescheidene Existenz zu verteidigen. In ihrem neuen Film bleiben die Gebrüder Dardenne der Hauptfigur bei ihren unangenehmen Hausbesuchen mit der unauffälligen Kamera beharrlich auf den Fersen. Gerade in der stoischen Dramaturgie, die nie ihre singuläre Perspektive verlässt, wird der soziale Realismus der Handlung sehr anschaulich. Das atemlose Spiel von Marion Cotillard zwischen psychischer Erkrankung und ganz gewöhnlicher Verzweiflung ist ebenso sensationell wie unbedingt preiswürdig. Auch die Besetzung ihres Ehemannes und der Belegschaft gibt sich stimmig und überzeugend. Erneut gelingt dem belgischen Filmemacherduo Jean-Pierre und Luc Dardenne ein mitnehmendes und doch ergiebiges Drama.

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