Donnerstag, 28. August 2014

Guardians of the Galaxy

Man dürfe sich nicht wundern, so die Pressevertreterin kurz vor Projektionsbeginn, die erste Szene gehöre wirklich zum Film. "Nicht wundern" – eine denkbare seltsame Anleitung für das Kino. Die vermeintliche Irritation, die Exposition der Handlung, ist verortet in den Achtzigern, diesem doch allmählich spielfilmisch rehabilitierten Jahrzehnt. Das Mixtape im Walkman: Ist das 2014 schon ein Wunder? Einen programmatischen Auftakt des Films bildet die Szene in jedem Fall. Und einen nostalgisch-schönen.

Guardians of the Galaxy ist nicht so wie die anderen (Marvel-)Filme. Was als Erklärung des "Besonderen" beim Menschen immer etwas Gönnerhaftes, ein falsches Haschen nach Verständnis an sich hat, ist hier ganz nüchtern gemeint. Und keineswegs alleine das Verdienst der launigen Regie von James Gunn, sondern in der Comicvorlage unlängst angelegt. So sehr das Anderssein zum Wesen des Superheldengenres gehören mag, wird hier die Schraube um eine weitere Umdrehung angezogen. Oder gelockert – das scheint für diese etwas mutigere Subversion passender.  

Ein Erdling und selbsterklärter Star-Lord (Chris Pratt), eine grünhäutige Kämpferin (Zoe Saldana), ein ironiefreier Meister Propper (Ex-Wrestler Dave Bautista), ein waffenfanatischer Waschbär (Stimme: Bradley Cooper!) sowie ein wortkarges Baumwesen (Stimme: Vin Diesel) formieren die Guardians. Den eigentlichen Beginn der spontanen Zweckgemeinschaft stellt ausgerechnet ein gemeinsamer Gefängnisaufenthalt dar. Zusammengebracht hat das abstruse Team ein natürlich allmächtiges Objekt, hinter dem auch der Sith-Lord-artige Oberschurke der Galaxie (Lee Pace) her ist. Um den Untergang derselben abzuwenden, nimmt es der nicht nur farblich überaus bunte Trupp mit allerlei galaktischen Ungetümen auf.

Als Endprodukt eines Sechziger-Jahre-Comics und der erst wenige Jahre alten Modernisierung ist der Film selbst eine ebenso facettenreiche Mischung wie das Team der schrägen Hauptfiguren. So wild zusammengewürfelt die Guardians of the Galaxy scheinen mögen, so stimmig ist dieses Sammelsurium in seiner Gesamtheit. So ergibt nicht nur die grandiose Songauswahl in der Tat einen "Awesome Mix", wie es die Aufschrift der immer wieder in den Fokus geratenden Kassette so kühn behauptet.

Von "I'm Not in Love" (10cc) bis "I Want You Back" (Jackson Five) strukturiert die irdische Musik den Film – und bildet sogar einen eigenen Charakter der Handlung. Nicht alleine in diesem Kniff setzt sich Guardians so wohltuend vom Gros der jüngsten Superhero Movies ab. Entlang der Siebziger-Hits ergründet der Film die Rückansicht des Marvel-Universums, eine längst überfällige Maßnahme. Wie sich dieser verrückte Haufen nun mit Iron Man, Thor und Konsorten konfrontieren lassen könnte, gehört zu den spannenderen Aussichten der (welt-)allumgreifenden Filmreihe.

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