Donnerstag, 28. August 2014

Diplomatie

Auf den ersten Blick macht sich Volker Schlöndorff mit seinem auf der diesjährigen Berlinale uraufgeführten Werk Diplomatie um die Füllung einer der wenigen verbliebenen Leerstellen der spielfilmischen Erschließung des Nationalsozialismus verdient. Mit der historischen Überlieferung nimmt es die französisch-deutsche – im Originalton ebenso zweisprachige – Produktion jedoch nicht so genau. Das Aufeinandertreffen des schwedischen Konsuls mit dem deutschen Stadtkommandanten von Paris am Vorabend des Einmarsches der Alliierten hat es so nie gegeben. Zwischen der von Hitler verfügten Zerstörung der französischen Metropole und dem bekannten Scheitern der wahnwitzigen Aktion positioniert sich die Verfilmung des Theaterstücks von Cyril Gély als ebenso spekulative wie kluge Mischung aus Wahrheit und Fiktion.

Diplomatie ist ein Kammerspiel im besten Sinne: Während die Erzählung den beengten Hauptschauplatz der Hotelsuite nur äußerst sporadisch verlässt, gewährleisten Kamera und Schnitt dennoch deren nötige Dynamik. In Sachen Spannungssicherung noch entscheidender ist indes das Spiel von Niels Arestrup und André Dussollier, die sich ein preis- und denkwürdiges Duell zwischen Gehorsam und Vernunft liefern. Das Wortgefecht, das in der glattgebügelten deutschen Synchronfassung einige Wirkung einbüßt, spielt den hochgegriffenen Filmtitel in allerlei Facetten aus. Dabei reicht Diplomatie in der Tat über seinen semi-historischen Kontext hinaus und verdeutlicht ausgerechnet vor dem Hintergrund des folgenschwersten aller Kriege die Macht verbaler Auseinandersetzung.  

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