Samstag, 17. Mai 2014

Godzilla (2014)

Seit seiner Schöpfung vor 60 Jahren huldigt dem "König der Monster" auch das Kino regelmäßig – im Durchschnitt beinahe alle zwei Jahre. Wohl kein kreatürlicher Bösewicht ist im Spielfilm so häufig in Erscheinung getreten wie Godzilla. Nicht einmal ideologische Vorbilder wie Frankenstein oder King Kong. Mit deren bewegter Tradition hat sich das Tun des Ungeheuers immer wieder vermischt – und sei es bloß auf Betreiben findiger deutscher Verleiher. Der besonders schöne Titel Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn (1967) sei hier beispielhaft genannt.

Jüngeren Zuschauern wird hingegen vor allem Roland Emmerichs Godzilla-Version (1998) als Referenz dienen, die unter Enthusiasten als schmähliche Zweckentfremdung gilt. Mit Gareth Edwards wagt sich nun ein Regisseur an den Stoff, der mit seinem Low-Budget-Erfolg Monsters (2010) über einschlägige Erfahrung verfügt. Die Plotstruktur seines Debüts übernimmt Edwards in Godzilla anno 2014 im Wesentlichen und zögert den Auftritt der Titelfigur gekonnt, aber nicht unnötig lange heraus. Die Vorgeschichte wird aus der Sicht eines von "Breaking Bad"-Gott Bryan Cranston gespielten Wissenschaftlers erzählt, dessen Frau (Juliette Binoche) bei einer Reaktorkatastrophe in Japan ums Leben kommt. Gemeinsam mit seinem inzwischen erwachsenen Sohn kehrt er Jahre später zum Unglücksort zurück. Dort wird seine Theorie bestätigt, dass die Kernschmelze durch ein mysteriöses Ungeheuer ausgelöst worden war, das ein Expertenteam (Ken Watanabe sowie, völlig verschenkt, Sally Hawkins) seitdem insgeheim studiert.

Seine Variation der Saga setzt Edwards' Godzilla aus mehreren Topoi der früheren Tōhō-Verfilmungen zusammen. In dieser konkreten Konstellation darf der Reboot recht innovativ, aber auch geschichtsgetreu genannt werden. Im toll kryptischen Vorspann besinnt sich der Film zunächst auf die ursprünglichen Zeitbezüge zurück, die die Herkunft des Untiers mit den realen Atomwaffeneinsätzen bzw. -tests Mitte des 20. Jahrhunderts verknüpft. Auch im weiteren Verlauf behält die Erzählung diesen kritischen Subtext bei. Andererseits erscheint ausgerechnet das US-Militär, dem auch der blasse Protagonist (Aaron Taylor-Johnson) angehört, wieder einmal als Heilsbringer der bedrohten Welt. Gerade im Lichte der Pentagon-Unterstützung der Produktion ist dies keineswegs unproblematisch.

Im direkten Vergleich mit Emmerichs Film kann der neue Godzilla in Sachen konsistenter und traditionsgemäßer Handlung punkten. Auch das technische Niveau ist nun höher, die Schwächen der Figurenkonstellation gleichen sich dagegen in etwa. Gleichzeitig darf man den Galgen- und Genre-Humor von Emmerich durchaus vermissen. Statt dessen überdrehter Selbstreflexivität bietet Edwards allenfalls vereinzelte, mehr oder minder unfreiwillig komische Momente. Als ernst gemeinter Katastrophenthriller im ersten und waschechter Monsterfilm im zweiten Teil geht Edwards Version im Sinne des heutigen Unterhaltungskinos in Ordnung. Den Aufpreis für die ach so mehrdimensionale Fassung sollte man sich angesichts der lieblosen 3D-Ästhetik aber sparen.

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