Sonntag, 2. März 2014

Jack Ryan: Shadow Recruit

Alec Baldwin macht in The Hunt for Red October 1990 den Anfang. Harrison Ford tut es ihm wenige Jahre darauf zweimal gleich, in Patriot Games sowie Clear and Present Danger (dt.: Das Kartell). 2002 folgt Ben Affleck mit The Sum of All Fears (Der Anschlag). Gemein ist all diesen Filmen der Charakter des US-Geheimagenten Jack Ryan. In die Fußstapfen von Baldwin, Ford und Affleck steigt nun Chris Pine, der hitzköpfige Captain Kirk der jüngsten "Star Trek"-Kinofilme. Shadow Recruit ist nicht nur aufgrund dieser Personalie ein erneuter Reboot der Serie, ein Neuanfang, in dessen Diegese es die Storylines der früheren Filmabenteuer nie gegeben hat.

Der Einstieg erfolgt im Sinne einer ganzen Sparte des US-Kinos seit 2006: Als Student in London erlebt Ryan den 9/11-Terrorismus in der bekannten massenmedialen Vermittlung. Das Entsetzen ob der ikonischen Fernsehbilder formiert dabei den Auftakt des auch in der (semi-)fiktiven Narration unvermeidlichen Dreierschrittes der Ära nach dem 11. September. In einer kurzen Sequenz ist Ryan zweitens als Soldat in Afghanistan zu sehen – im Rahmen der kriegerischen Vergeltung der Anschläge. Nachdem der Hubschrauber seiner Einheit von einer Rakete getroffen worden ist, folgt postwendend der dritte Schritt der Epoche: Die Heimkehr des verwundeten Kämpfers in eine tief gespaltene Gesellschaft, die sich zum War on Terror längst differenziert verhält.

Die eigentliche Handlung von Shadow Recruit trägt sich dann in jener von Unsicherheiten geprägten Phase des Anti-Terror-Krieges zu, die fast ausschließlich von Geheimdiensten bestritten wird. Ein ranghoher Schattenmann (Kevin Costner) rekrutiert Ryan direkt aus der Reha-Klinik für die plötzlich elementare Wirtschaftsspionage. Im Dienste der CIA gerät der junge Analyst bald auf die Spur eines finsteren russischen Strippenziehers, den Regisseur Kenneth Brannagh samt pelzigem Akzent gleich selbst spielt. Kaum zu Forschungszwecken in Moskau angekommen, wird Ryans Aufgabengebiet notgedrungen um das eines operativen Agenten erweitert – will heißen: Feindkontakt, Nahkampf und Schusswaffengebrauch.

Wer mit den Romanen Tom Clancys vertraut ist, denen die Figur des Jack Ryan entstammt, wird wenig wundern, dass der Fall für den ungewollten Spitzel bald eine private Dimension erhält. Flugs findet sich auch dessen Verlobte in der russischen Hauptstadt und damit inmitten des brenzligen Duells mit Ryans Gegenspieler ein. Keira Knightley mag als zunächst unwissende Partnerin des Protagonistin leicht überbesetzt sein, umgekehrt verschafft ihre adrette Selbstbehauptung der sonst chronisch nebensächlichen Frauenrolle eine deutlich gesteigerte Bedeutung. Erst im Zusammenspiel mit Knightley gewinnt auch die Darstellung Pines wirklich an Fahrt, die sich bis dahin kaum von Afflecks braver Verkörperung abheben kann.

Als packender Agententhriller erfüllt Shadow Recruit voll und ganz seinen Zweck. Der gute Spannungsbogen führt die Erzählung, klar, schließlich zurück in die Unübersichtlichkeit einer vom Terrorismus gebeutelten US-Metropole. Dass Branaghs Film nebenher – und sicher kaum mit dieser Absicht – als strategisches Mini-Meta-Werk des amerikanischen Post-9/11-Kinos fungiert, ist ein nicht unerheblicher Bonus dieses grundsoliden Genrevertreters.

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