Samstag, 8. März 2014

300: Rise of an Empire

Der Ausgang von Zack Snyders Comicverfilmung 300, das bekanntermaßen verheerende Resultat der Schlacht bei den Thermopylen, lässt wenig Spielraum für eine Fortsetzung. Wenn der Stoff mit dem Zusatz Rise of an Empire nach rund acht Jahren nun nochmals aufgegriffen wird, kann es sich bloß um die nachgeschobene Vorgeschichte handeln, möchte man meinen. Der Ansatz von Co-Autor Snyder, der die Regie diesmal Noam Murro überlassen hat, ist jedoch kühner und widmet sich dem zeitlichen wie räumlichen Überbau der berühmten Episode. Unter der Führung des heroischen Themistokles setzt sich das Heer der Griechen dem übermächtigen Angriff der Perser auch auf dem Seeweg zuwider. Die direkte Gegenspielerin des furchtlosen Strategen ist die ebenso zielstrebige Artemisia, die als rechte Hand dem persischen Gottkönig Xerxes dient. 

Ob nun beabsichtigt oder nicht: Seine im Vorgänger noch krachend parteiische und bisweilen rassistische Haltung ergänzt Frank Miller, Autor der erneuten Comicvorlage ("Xerxes"), um einen teilweise doch deutlich differenzierteren Geschichts- und Gegenwartsbezug. Der Geburt des modernen Selbstmordattentäters aufseiten der freilich wieder bösen Araber – samt archaischer Fernzündung – steht eine erstaunlich offene Leere des westlichen Freiheitsbegriffes gegenüber. Das jedenfalls ist eine mögliche Lesart der griechischen Propagandaphrasen, die Miller als Anhänger der Huntington'schen Kulturkampfthese natürlich durchaus todernst meinen kann. Der nicht nur personelle Dualismus, der nun auch Interna der persischen Seite beleuchtet, lässt das Unterfangen in jedem Fall ausgewogener erscheinen.

Die inzwischen natürlich längst etablierte Ästhetik des Realfilm-Comics und der – allerdings gute – B-Cast um die fiese Eva Green lassen Rise of an Empire als Unterhaltungsfilm leicht hinter den originalen 300 zurücktreten. Vielleicht lässt die im zweiten Teil unverkennbare Formelhaftigkeit aber gerade eine stärkere Konzentration auf inhaltliche Feinheiten zu. Die Fluchtlinien zum heutigen Anti-Terror-Krieg wirken im Pre-Sequel weit weniger aufdringlich und tendenziös. Dass das hohe demokratische Ideal schließlich schieren Rachegelüsten Platz machen muss, ist in jedem Fall bezeichnend. Wie sich diese kriegerische Logik auf die Ära nach 9/11 ummünzen lässt, liegt nunmehr im Auge des Betrachters.

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