Mittwoch, 5. Februar 2014

RoboCop (2014)

Auch ohne konkrete Zeugenaussage lässt sich mühelos erahnen, was Paul Verhoeven von dem jüngsten Mini-Trend Hollywoods hält, sein Œuvre einer Frischzellenkur zu unterziehen. Wenn es darum geht, seine Filme umzudeuten, gar zu dekontextualisieren, versteht der Holländer wenig Spaß. Der cholerische wie mitreißende DVD-Regiekommentar zu Starship Troopers sei in dieser Sache als Beweisstück A – wohlgemerkt der Verteidigung – beantragt. Nach dem Remake von Total Recall (2012), dem sich durchaus Vorzüge gegenüber dem schadhaft gealterten Original (1990) abgewinnen lassen, erfährt nun auch RoboCop (1987) ein hoch budgetiertes Update.

Alleine die Grundstruktur von Handlung und Figurenkreis variiert der zweite Spielfilm erstaunlich frei. Erneut in der nahen Zukunft angesiedelt, fällt der taffe Polizist Alex Murphy zwar abermals einem Anschlag zum Opfer – um kurz darauf von größenwahnsinnigen Technikern als Halb-Androide reaktiviert zu werden. Extrem aufgewertet wird dabei jedoch die Rolle von Murphys Frau (Abbie Cornish), die dem lebensrettenden Experiment nunmehr zustimmt und bald darauf sogar in direkten Kontakt mit RoboCop tritt. In einem wesentlich positiveren Licht erscheint gleichzeitig der Erfinder der Kampfmaschine, zumal der gestandene Charaktermime Gary Oldman den Wissenschaftler spielt.

Gerahmt wird die Story des ferngesteuerten Polizeiroboters, der auch diesmal zu seinen menschlichen Wurzeln zurückfinden wird, von einer politischen TV-Show. Die ironische Überzeichnung des neokonservativ hetzenden Kommentators (Samuel L. Jackson) fällt dabei doch etwas arg offensichtlich aus. In vergleichbarem Metier hatte sich der brasilianische Regisseur José Padilha bereits in seinem einstigen Berlinale-Überraschungsgewinner Tropa de Elite verhoben.

Insgesamt behauptet sich die Schwerpunktverlagerung der Neuinterpretation dennoch keineswegs schlecht. Der achtbare Cast um den schwedisch-amerikanischen Hauptdarsteller Joel Kinnaman kann es jedenfalls locker mit der hölzernen Darbietung von Peter Weller & Co. anno '87 aufnehmen. Überhaupt wirkt die Verhoeven-Fassung auch in diesem Fall retrospektiv doch oft unfreiwillig abstrus. Auch wenn es dem großen Action-Satiriker nicht schmecken mag: Padilhas RoboCop ist ein zeitgemäßes, durchaus nicht überflüssiges Remake.

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