Samstag, 25. Januar 2014

Homefront

Herr Broker heißt nur so, er ist es nicht von Beruf. Menschen übers Ohr zu hauen – diese Berufsbeschreibung darf bei ihm noch wörtlich genommen werden. Aber Herr Broker darf das, schließlich tut er es von Gesetzes wegen. Nur im Notfall natürlich, er ist Polizist. Beziehungsweise war es, bis er als Undercoveragent der Drogenbehörde jüngst aufgeflogen ist. Neuerdings lebt Herr Broker mit seiner neunjährigen Tochter, die Mutter ist tragischerweise verstorben, in der Beschaulichkeit der Sümpfe Louisianas. Oder wenigstens in deren Nähe – wobei das neue Heimatörtchen gut und gerne seinerseits als solcher bezeichnet werden darf. Da koffern sich spindeldürre Mütter (hier: Kate Bosworth) korpulenter Mitschüler der Tochter infolge harmloser Schulhofraufereien gleich dermaßen auf, dass es der lokale Crystal-Meth-Produzent (James Franco) – blöderweise Bruder der von selbiger Droge Abhängigen – bald auf Herrn Broker abgesehen hat. Widerwillig muss unser Held da seine Nahkampfkünste auspacken; erst recht, als eine ganze Biker-Gang anrückt, die Herrn Broker praktischerweise ohnehin gerade nach dem Leben trachtet.

Der ach so geniale Autor, der aus der Romanvorlage ein maximal innovatives und hochkomplexes Drehbuch gestrickt zu haben glaubt, ist kein geringerer als Sylvester Stallone. Was den vormaligen Actionstar dazu veranlasst haben mag, sich inmitten immer verzweifelter wirkender Comeback-Versuche als Darsteller nun erstmals alleine in schreibender Funktion zu betätigen, ist nicht bekannt. Sehr wohl überliefert ist dagegen die Behauptung, Stallone habe den Stoff ursprünglich als Teil seiner Rambo-Reihe konzipiert – was sich mit dem zugrunde liegenden Roman, der seinerseits Part einer Serie ist, allerdings schwerlich vereinbaren lässt. Seltsam.

Von höchsten Merkwürden ist auch die augenscheinliche Unbekümmertheit Jason Stathams (= Herr Broker), zum gefühlt achtundzwanzigsten Mal die mehr oder minder identische Rolle des leider, leider zum Prügelknaben Gezwungenen zu spielen. Dass Statham beim Aufsagen der ewig gleichen Sprüchlein – diesmal immerhin in mäßig glaubhaftem US-Slang – weiterhin jene fürchterlich ernste Miene aufzusetzen imstande ist: chapeau! Aber wie soll sich da erst ein Regisseur wie Gary Fleder vorkommen, dem seit rund zwei Dekaden nicht mehr vergönnt ist, als alle paar Jährchen zum Verwechseln ähnliche Genrefilme zu fabrizieren? Zuletzt hatte dieser wohl kaum befriedigende Umstand Fleder in die Fernsehproduktion getrieben. Dort ist derart inspirationsfreie Laufbandware in der Tat wesentlich besser aufgehoben als im Lichtspieltheater.

Ach ja: "Homefront" lautet das Zauberwort an der Kinokasse, um sich in ärgerliche Unkosten zu stürzen.

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