Donnerstag, 26. Dezember 2013

Machete Kills

Trash heißt Abfall – und hat doch oft etwas Liebevolles. Auf Trash-Partys geht man freiwillig, Trash-Musik ist längst mehr als eine guilty pleasure und auch der vermeintliche filmische Unrat hat es schon vor Jahren in die Multiplexe geschafft. Wie kaum ein Zweiter steht Quentin Tarantino für die Renaissance der Ausschussware, für die Zitation, Nachahmung und Neuanordnung des Nischenkinos. Gemeinsam mit Regiekollege Robert Rodriguez gipfelte die Verneigung vor dem Trash vor allem der 60er und 70er im Double Feature Grindhouse 2007. Seine aus diesem Projekt entwickelte Mexploitation-Farce Machete (2010) setzt Rodriguez nun fort und lässt den titelgebenden Rächer mit Machete Kills ein zweites Mal von der Leine.

Direkt an die Handlung des herrlich trashigen Vorgängers anschließend, agiert der wieder von Knittergesicht Danny Trejo gespielte Protagonist nunmehr im Auftrag des US-Präsidenten höchstpersönlich (Charlie Sheen, hier unter seinem bürgerlichen Namen Carlos Estévez). In seiner Heimat Mexiko soll Machete einen psychopathischen Kartellboss auftreiben, der den nördlichen Nachbarstaat mit einer Superwaffe bedroht. Hilfe erhält der Kämpfer der Entrechteten diesmal von einer als Miss San Antonio getarnten Agentin, die Amber Heard mit doppelbödiger Verve gibt. Als wahrer Bösewicht des ungleichen Duos erweist sich bald ein (nicht nur) von Star Wars besessener Unternehmer, Erfinder und Sektenführer, mit dessen dankbarer Verkörperung Mel Gibson betraut ist.

Wie Robert Rodriguez mit den narrativen Konventionen nicht nur des Exploitation-Kinos hantiert, ist auch diesmal unterhaltsam, keine Frage. Dass vom Schaulaufen der Figuren und Darsteller, die eingangs größtenteils gleich doppelt angekündigt werden, bald nicht mehr übrig bleibt als die eigentlich karikierte Nummernrevue, lässt sich aber ebensowenig bestreiten. Die Methode wird in Machete Kills auf die Spitze getrieben, indem in der Rolle eines Killers mit wechselnder Identität gleich vier namhafte AkteurInnen verheizt werden (darunter Lady Gaga und Antonio Banderas). Jedes Konzept der Veralberung trägt eben nur so weit, bis es sich im eigenen Netz der externen und internen Bezüge verstrickt und somit selbst veralbert – oder, schlimmer noch, schlicht abnutzt.

Das beste Beispiel für die Überstrapazierung ist die erste – und gleichzeitig beste – Szene: In der seinerseits heftig zitierenden Tradition des Grindhouse-Gesamtpakets eröffnet Rodriguez den Reigen mit dem Trailer eines (noch) nicht existenten Films. Machete ist schließlich überhaupt erst aus einer solchen Fake-Vorschau geboren worden. Die Schraube des schieren Wahns der Verweise dreht er nun insofern weiter, als es sich um den Trailer der Fortsetzung der Geschichte handelt, die unmittelbar darauf erst erzählt werden wird. Dieser Kniff hat einen Hauch Genialität, weil er im Folgenden ständig mit der Antizipation des Zuschauers spielt. Wenn Rodriguez diesen Ausblick dann aber, gänzlich konventionell, am Ende der Handlung wiederholt und ausbaut, entzaubert das nicht nur das clevere Voranstellen des Trailers. Es entlarvt die Ankündigung auch als ebendiese – als Vorbote eines weiteren Sequels, das nunmehr ziemlich wenig verspricht.  

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