Mittwoch, 27. November 2013

The Hunger Games: Catching Fire

"Gefährliche Liebe" – so lautet der Titel des zweiten Bandes der Trilogie von Suzanne Collins hierzulande eigentlich. Diese Differenz zum Original scheut der deutsche Verleih aus dem offensichtlichen Grund der Unverwechselbarkeit. Dass auch der seifenopernhafte Anklang dieser Übersetzung eine Rolle gespielt haben mag, in der Kinoauswertung bei Die Tribute von Panem – Catching Fire zu bleiben, ist Spekulation. Gerade Teile des (mehr oder minder traditionell) männlichen Publikums mit der Aussicht auf seichte Melodramatik zu verschrecken, erscheint jedoch nicht fürchterlich gewagt.

Dabei nimmt das aus "Harry Potter" wie auch der "Twilight"-Saga bekannte Beziehungsdreieck junger Menschen in diesem zweiten Teil der Hunger Games sehr wohl konkretere und eben allzu vertraute Formen an. Nach ihrem unverhofften Doppelerfolg bei den vorangegangenen Hungerspielen wird das vermeintliche Paar Katniss und Peeta vom despotischen Präsidenten Snow zu einer Siegertour durch die ärmlichen Distrikte des postapokalyptischen Panem gezwungen. Um damit eine drohende Rebellion der unterdrückten Massen zu verhindern, wird das Traumpaar der Medien kurz darauf auch zu den kommenden Hunger Games beordert – nicht zuletzt zum Unbill auch von Katniss' (angeblich nur) bestem Freund Gale. In der neuen Ausgabe des tödlichen Spektakels muss sie mit Peeta gegen frühere Siegerpärchen antreten, die ihre Durchsetzungsfähigkeit also bereits unter Beweis gestellt haben.

Unter anderem mit Phillip Seymour Hoffman als neuem Leiter der irrsinnigen Spiele und Jena Malone als wendiger Konkurrentin der Helden hält Catching Fire das hohe Casting-Niveau des Vorgängers. Gestandene Charakterdarsteller wie Jeffrey Wright oder die lange in der Versenkung verschwundene Amanda Plummer begnügen sich mit geradezu winzigen, wenn auch wichtigen Parts. Jennifer Lawrence als Bogenschützin Katniss bleibt indes die ebenso unoffensichtliche wie charismatische Idealbesetzung der Hauptrolle, gegen die die (fast...) männlichen Gefährten Josh Hutcherson sowie Liam Hemsworth weiterhin eher blass aussehen. Donald Sutherland, Elizabeth Banks und Woody Harrelson setzen ihre jeweiligen Schlüsselrollen dagegen bravourös fort.

Der frische Wind der ersten Verfilmung, die sich von besagten Erfolgsreihen mit einschlägiger Zielgruppe noch wohltuend abgehoben hatte, fehlt dem von Francis Lawrence verantworteten Mittelteil etwas. Das grundsätzliche erzählerische Prinzip wirkt nun sehr vertraut, das lange Vorgeplänkel der neuerlichen "Spiele" beizeiten etwas zäh. Begleitet vom immer weiter in den Vordergrund rückenden Paarungsverhalten der jungen Protagonisten, nähert sich diese Adaption allmählich, aber doch spürbar dem bewährten Duktus der Hexen- und Vampir-Fortsetzungsgeschichten.

Dennoch sind die "Hunger Games"-Adaptionen weiterhin im oberen Feld des gegenwärtigen Popkulturkinos anzusiedeln. Auch Catching Fire verrät gerade noch genügend Subversion und Obrigkeitskritik, dekonstruiert auch gängige Erzählmuster zumindest insoweit, um sich nicht selbst als reines Mainstreamerzeugnis verdächtig zu machen. Dass insbesondere faschistoide Ideologien und massenmediales Irrsinnsspektakel derart vorgeführt würden, können weder J.K. Rowling noch Stephenie Meyer von ihren Werken oder deren Kinoversionen behaupten.    

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