Mittwoch, 27. November 2013

The Family (Malavita)

"Fuck" – ein Wort mit vielen Bedeutungen. Was wie ein mittelmäßiger Drehbuchspruch klingt, ist erstens in der Tat ein solcher. Die Beobachtung hat zweitens mehr Substanz, als man intuitiv vermuten mag. Alleine die Vielfalt der Übersetzungen aller Beugungsformen und Wortzusammensetzungen des Ausdrucks in der deutschen Filmsynchronisation ist beachtlich. Legendär etwa die "Schweinebacke" (für "motherfucker") in Die Hard oder das "bekackt" (für "fucking") in The Big Lebowski. Heute verzichten mehr und mehr Synchronstudios gänzlich auf sprachlichen Ersatz, so sehr ist der Begriff längst in den hiesigen Sprachgebrauch übergegangen.

Es steht zu vermuten, dass die Neuvertoner von The Family – der in Deutschland gemäß der Romanvorlage Malavita betitelt ist – das Wort ebenfalls beibehalten werden. Ansonsten sollten die nämliche Sequenz, aus der das Sinnieren über die Bedeutungsfülle von "fuck" stammt, und der daraus resultierende Running Gag schwer zu übertragen sein. Zu hören sind die philologischen Überlegungen aus dem Mund eines 14-Jährigen, der sich mitsamt der älteren Schwester und der Eltern im Zeugenschutzprogramm des FBIs befindet. Weil Vater Giovanni gegen seine Mafia-Brüder ausgesagt hat, lebt die Familie unter neuer Identität in Frankreich. Auch für den jüngsten Umzug in ein beschauliches Dorf in der Normandie ist indes das undisziplinierte Verhalten der vier verantwortlich. Anstatt sich unauffällig zu geben, fallen alle Familienmitglieder regelmäßig in überaus mafiöse Verhaltensmuster zurück. Da wird eine kleine Meinungsverschiedenheit der Tochter mit den pubertierenden Mitschülern mal eben resolut mit dem Tennisschläger beendigt.

Wie das an dem Versteckspiel schuldige Familienoberhaupt mit unliebsamen Handwerkern umspringt, hat freilich ganz andere Qualitäten. Außer Robert De Niro würde man die beiläufigen Gewaltausbrüche Giovannis wohl kaum einem Darsteller derart bereitwillig abkaufen. Auf dessen einschlägige Genre-Erfahrung baut The Family nicht nur konzeptuell, selbst in die eigentliche Handlung schafft es einer der Kino-Klassiker. Als Fortentwicklung nicht nur De Niros darstellerischer Mobster-Vergangenheit – vom Godfather über die Scorsese-Connection bis hin zur Therapie der Spätfolgen in Analyse This/That – hat die Gangsterkomödie somit durchaus ihren Reiz.

Nun ist The Family andererseits der neue Film des französischen Tausendsassas Luc Besson – mit allen Vor- und Nachteilen dessen unverkennbarer Handschrift. Um hochverstrickte Charakterpsychologien schert sich Besson abermals wenig, in dieser Hinsicht wird die Tradition auch des Mafiafilmes lapidar verworfen. Der Unterhaltungsfaktor der Erzählung bleibt dagegen gewohnt konstant, allerlei wohl dosierten Sprachwitz eingeschlossen. Manch arg souveräne Selbstverständlichkeit, wie sich etwa auch die von Michelle Pfeiffer gespielte Familienmutter behauptet, lässt man da gerne unhinterfragt. Schließlich muss der organisierte Schlamassel in ein gehöriges Bleigewitter münden. Selbst diese wenig kreative Auflösung hat aber in Bessons unverblümter Manier einen gewissen Charme.

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