Samstag, 14. September 2013

RED 2

Who's the baddest of 'em all? Die Frage nach der lässigsten Action-Ikone des Kinos hat natürlich viele Antworten. Intuitive, provokative, sorgfältig begründete. Die jüngeren unter den Genrekennern werden Jason Statham vorschlagen, vielleicht gar bereits Chris Hemsworth. Chronologisch folgen Helden der 90er wie Nicolas Cage oder Vin Diesel, fernöstlich Jackie Chan und Jet Li. Stallone und Schwarzenegger sind, wenn auch längst über dem Zenith, sichere Kandidaten. Selbst Chuck Norris und Steven Seagal werden einige ernst gemeinte Stimmen erhalten.

Wer in dieser Causa Bruce Willis in den Ring wirft, kann bereits als Nostalgiker belächelt werden. Dass auch der gebürtige Idar-Obersteiner im gesunden Alter von 58 Jahren noch weit mehr abgibt als einen rüstigen Frührentner, stellt Willis jedoch in RED 2 unter Beweis. Die Fortsetzung des für viele überraschend erfolgreichen dritten Hollywood-Projektes von Robert Schwentke knüpft recht unmittelbar an das turbulente Finale von RED an. Zur Erinnerung: Das Akronym bezeichnet die Risikoeinstufung im Ruhestand befindlicher Ex-Geheimagenten als "retired, extremely dangerous". Zwei dieser Plagegeister im Sinne der aktuellen CIA-Generation spielen Willis und John Malkovich – mit einer gepfefferten Portion Selbstironie, versteht sich. Auch in ihrem zweiten Leinwandabenteuer holt die Ausgedienten ihre professionelle Vergangenheit ein und heftet sich infolgedessen eine ganze Armada internationaler Killer an ihre Fersen.

Wie bereits im Vorgänger, aber nochmals herrlich zugespitzt ist die heimliche Hauptfigur auch von RED 2 die ein rundes Jahrzehnt jüngere Lebensgefährtin des Willis'schen Agenten. Mary-Louise Parker präsentiert sich in allerbester "Weeds"-Manier hier als sogar noch perfekter pointierende schwarze Komödiantin. Mit welch entwaffnender Natürlichkeit sich Parker – voll bewusst, nie naiv – auf das tödliche Spiel der bösen Burschen einlässt, ist eine helle Freude. Auch die neuen Gaststars Catherine Zeta-Jones und Anthony Hopkins profitieren dabei vom erstaunlich gut getimten Witz des Drehbuches, das alles nur kein dröger Aufguss des ersten Teils ist.

Vermutlich hat die vergnügte Vorlage, die sich wieder lose an eine weitgehend unbekannte Comicreihe anlehnt, auch Dean Parisot zurück ins Kino gelockt. Parisot, seit geraumer Zeit Garant qualitativer Fernsehunterhaltung, präsentiert mit RED 2 seine erst vierte Produktion für die Große Leinwand in anderthalb Jahrzehnten. Wie nahtlos er dabei krachende Gefechte mit heiteren Absurditäten verwebt, ließe einen weitaus umfangreicheren Fundus in Sachen anspruchsvollen Entertainments vermuten.
Bleibt die Frage nach dem spektakulärsten Actionstar zumindest dieses Kinofilms. Es kann nur eine ehrliche Antwort geben: Hellen Mirren, Jahrgang 1945, die die gar nicht verstohlene weibliche Übernahme dieser Männerdomäne mit unsagbarer Coolness komplettiert.

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