Freitag, 28. Juni 2013

Man of Steel

Es ist keine 7 Jahre her, da hat sich der seinerzeit schwer gefragte Regisseur Bryan Singer an einem Leinwand-Update der Geschichten des vielleicht bekanntesten aller Comic-Superhelden versucht. Superman Returns einen Flop zu nennen, wäre eine Übertreibung; neben gemischten Reaktionen von Fachpresse und Publikum bescherte der damals zweitteuerste Film aller Zeiten Warner Bros. jedoch ein herbes Minus. Mit Man of Steel hat das Studio nun Einsatz wie Risiko nochmals erhöht und Zack Snyder gewissermaßen mit einer Neuauflage der Neuauflage betraut.

Gleich die Auftaktsequenz verdeutlicht, warum Man of Steel adäquat als Reboot zu bezeichnen ist - und nicht etwa als "bloß" vor und hinter der Kamera neu bestücktes Sequel. Die Filmhandlung setzt mit der Geburt Kal-Els auf Krypton an, und damit sogar noch ein Quentchen früher als die erste Realverfilmung 1978. Dass Snyder gleich ein ganzes Viertel des überlangen Films aufwendet, um den Grundkonflikt des sterbenden Heimatplaneten des künftigen Superman zu veranschaulichen, ist eine mutige und kluge Entscheidung. Erst nach diesem unerwarteten Ausflug ins waschechte Alien-Genre widmet sich Snyder den irdischen Anfängen des Clark Kent genannten jungen Mannes. Auch hier erscheint die Wahl einer eher unkonventionellen Erzählweise - einer aufgebrochenen Chronologie nämlich - angebracht. In die Gegenwart, in der es der Mann aus Stahl mit Kryptons einstigem Oberbefehlshaber aufnehmen muss, der die Erde bedroht, mischen sich Erinnerungen an das schmerzliche Aufkommen seiner Superkräfte in jungen Jahren.

Dass Christopher Nolan nicht nur als Produzent fungiert, sondern auch für das Drehbuch von Man of Steel (mit)verantwortlich zeichnet, verwundert dennoch. Die Geduld und Weitsicht, die dessen Batman-Wiederbelebung offenbart hatte, fehlt diesem Neustart. Hatten sich Nolan und sein damaliger und jetziger Co-Autor David S. Goyer mit Batman Begins noch erstaunlich diszipliniert gezeigt und die vollwertige Entfaltung des Protagonisten - wahrlich nicht ohne Risiko - für The Dark Knight aufgespart, stellt man hier weitaus höhere Ansprüche. Ebendieser Versuch, innerhalb eines Filmes gleich die Höchstgeschwindigkeit des Vehikels vorzuführen, gerät eher zu einer übermütigen Prahlerei denn zu einem raschen Auftaktsieg.

Wie sehr aber noch eher Zack Snyders Inszenierungsduktus über die sicher beachtenswerten Ambitionen hinausschießt, ist nicht zu übersehen oder überhören. Während der effektlastige Einstieg in die Vorgeschichte noch als frischer Zugang aufgeht, ist das Schauwert-Bombardment in der zweiten Filmhälfte schlicht viel zu viel. Die willkommenen Atempausen werden immer spärlicher, stattdessen rauschen Gegenstände und Personen im Sekundentakt durch Bild und Tonspur. Die audiovisuelle Gemengelage verkommt dabei bisweilen zur Unkenntlichkeit und, schlimmer noch, damit auch zur Unerheblichkeit.

Über alle Zweifel erhaben ist die Besetzung von Man of Steel, die in jedem Einzelfall gelungen ist. Henry Cavill, der schon in Tarsem Singhs Immortals eine in der Tat gute Figur abgegeben hatte, erweist sich der Rolle des übermächtigen Zwitterwesens als weitaus besser gewachsen als zuletzt Brandon Routh. Achtbar auch, dass man Amy Adams hat überzeugen können, die bisher komplexeste Lois Lane abzugeben. Diane Lane und Kevin Costner als Pflegeeltern Kent, Russell Crowe als leiblicher Vater, der grässlich anzuschauende Michael Shannon als Antagonist sowie - in bester Bond-Tradition - die deutsche Antje Traue als dessen Sekundantin runden den Cast ab.

Das beste Personal hilft aber wenig, wenn man es fortwährend im Affentempo durch kaum erkennbare CGI-Landschaften jagt. Das gilt auch für die zahlreichen Militärangehörigen, deren Präsenz sich das US-Verteidigungsministerium wieder einmal mit inhaltlichem Mitspracherecht hat vergüten lassen. Dass man das Pentagon somit seine augenscheinliche Vorliebe für Comicverfilmungen als Werbeplattform fortsetzen lässt, beschert Man of Steel zusätzliche Minuspunkte. Als die nebulöse Praktik am Abspannende bestätigt wird, ist man von der stumpfen Überbietungsästhetik des Films aber längst in die Teilnahmslosigkeit benebelt worden.

Keine Kommentare: