Freitag, 3. Mai 2013

The Broken Circle Breakdown

Erarbeitet sich ein Film den Publikumspreis der zweitwichtigsten Berlinale-Programmsparte Panorama, ist das für viele - gerade junge - Filmemacher eine oftmals größere Genugtuung als der Gewinn eines Bären. PR-Agenten mögen angesichts dieser Empfindungen ihrer Schützlinge die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, das weitaus höhere nominelle Prestige ist unbestritten. Andererseits steht der Entscheidung einer siebenköpfigen ehrenamtlichen Jury hier das Votum mittlerweile Zehntausender zahlender Kinobesucher gegenüber.

The Broken Circle Breakdown hat 2013 den Panorama-Publikumspreis gewonnen, das ist als Siegel grundsätzlich gleichbedeutend mit dem Prädikat "besonders wertvoll" der Filmbewertungsstelle Wiesbaden. In der Tat ist der Film ein dringend sehenswertes Werk - wenn auch ganz bestimmt kein einfach anzuschauendes. Felix van Groeningen vollzieht in seinem vierten Spielfilm die Beziehung eines ungewöhnlichen Paares nach, das an schweren Schicksalsschlägen zu zerbrechen droht.

Die stille Elise besitzt ein Tattoo-Studio, auch ihr eigener Körper ist von Bildern und Schriftzügen übersät, darunter ein Kreuz als Symbol ihres Glaubens. Didier spielt und singt in einer Bluegrass-Band, ist ein ausschweifender Redner und überzeugter Atheist. Als sich die blonde Elise und der vollbärtige Didier treffen, ist es Liebe auf den ersten Blick, sie ergänzen sich in ihrer Gegensätzlichkeit perfekt. Unverhofft wird Elise schwanger, Didier nimmt die Tochter nach dem anfänglichen Schock begeistert an. Doch das Glück zu dritt währt kurz, bei der kleinen Maybelle wird Leukämie diagnostiziert. Obwohl die Erinnerungen an die schönen Anfänge ihrer Liebe weiter hellwach sind, verschlimmert sich die Situation zusehends.

Van Groeningen findet für alle emotionalen Berge und Täler starke Bilder, und sei es in der Banalität sprühender Schweißfunken. Auch in seiner Inszenierung muss es auf einem Friedhof freilich in Strömen regnen, Nahtodempfindungen im Stakkato farbverfremdeter Eindrücke visualisiert werden. Die Stärke von The Broken Circle liegt nicht in der Innovation, sondern einem bewundernswerten Vertrauen in die eigene Erzählstrategie. Dazu gehört die aufgebrochene Chronologie, die immer wieder erstaunliche Kontraste hervorbringt, ebenso wie der berechtigte Glaube an die Kraft der Musik. Der werden katalysierende, heilende, aber eben auch konterkarierende, provokante Funktionen zugestanden. Selten, allenfalls in Musikerbiografien, ist dabei die Integration der musikalischen Dimension in die Handlung derart ungekünstelt und doch alldominant gelungen. Mindestens jedes zweite Musical geht an ebendieser Verwebung jämmerlich zugrunde.

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