Mittwoch, 22. Mai 2013

Star Trek: Into Darkness

Muss man prophetische Begabung haben, um das schöpferische Vermächtnis eines Künstlers vorherzubestimmen? Nehmen wir den Fall des Fernseh- und Filmemachers J.J. Abrams. Bisher vorzuweisen hat der 46-jährige Amerikaner eine Handvoll mehr oder minder erfolgreicher TV-Serien, qualitativ angeführt von der portionierten Genialität namens "Lost". Bereits lange zuvor verdingte sich Abrams - weitgehend unbemerkt - als Autor mäßig besuchter Spielfilme - sieht man von seiner Mitarbeit am Buch des grandiosen Bay/Bruckheimer-Hohlrollers Armageddon ab. Eigenhändig ins Kino dirigiert hat der Mann eine ordentliche Fortsetzung (Mission: Impossible III), einen liebevollen Mysterythriller (Super 8) und 2009 eben Star Trek, jenen couragierten Langfilm-Neustart der wohl bekanntesten Science-Fiction-Reihe überhaupt.

Wenn Abrams nun mit den "Star Wars"-Sequels die wohl anspruchsvollste Aufgabe anvertraut wird, die einem Regisseur dieser Tage überantwortet werden kann, mag das verwundern. Seine "Star Trek"-Fortsetzung Into Darkness ist gewissermaßen eine nachgeschobene Bewerbung, die auch die letzten Zweifler an der Eignung Abrams für "Krieg der Sterne" überzeugen sollte. Nach Star Trek, der gerade in seinem deutlich einführenden Duktus mit wohldosierter Präzision überzeugen konnte, erlebt die verjüngte Crew des Raumschiffes Enterprise nun ihre erstes eigentliches Abenteuer. Mit denkbar größtmöglicher Chuzpe lässt Abrams das Kapitel erstens auf der Erde beginnen, Kirk zweitens sein gerade errungenes Kommando der Enterprise verlieren, die Sternenflotte drittens durch einen handfesten Terroranschlag erschüttern, diesen viertens den am meisten gefürchteten Einzel-Gegner der Reihe begehen, die Protagonisten fünftens mit heiklem Auftrag in die Arme der am meisten gefürchteten Gegner-Spezies fliegen und schließlich sechstens eine der zentralen Identifikationsfiguren ableben. Früher wären aus diesen Gewagtheiten mindestens drei Filme entstanden.

Im Verbund mit einem klugen Autorenteam und der in jedem Einzelfall optimalen Besetzung legt Abrams mit Star Trek Into Darkness einen erschreckend makellosen Film vor. Der alles andere als einfach zufriedenzustellenden Trekkie-Fangemeinde nimmt er sämtlichen Nörgel-Wind aus den natürlich längst bibbernd gehissten Segeln. Dem unbestechlichen Feinsinn für die Traditionen der Saga steht der perfekt austarierte Mut zu nötigen Innovationen gegenüber. Mit dem fiesgesichtigen Benedict Cumberbatch ist zudem ein erprobter Schurke mit von der Partie, der demnächst auch durch die Hobbit-Fortsetzungen geistern wird. Selbst die heikle Balance zwischen mal hitzigen, mal gewitzten Dialogen und handfestem Effektspektakel gelingt, Letzteres am Schönsten vertreten durch einen rasanten Tandem-Sprung durchs All. 

Auch nach Vulkanier-Räson erscheint die Vorhersage, dass J.J. Abrams dereinst als bedeutendster Filmregisseur seiner Zeit in die Geschichte eingehen wird, allzu logisch. Dass der Maestro neben seiner heldenhaften Reanimation der einen demnächst auch die andere der beiden erfolgreichsten Sternen-Sagas in eine glorreiche Zukunft führen wird, scheint der mathematischen Gewissheit nahe. Vielleicht würde die Pedanterie eines Mr. Spock dieser Folgerung widersprechen, nicht aber diesem lapidaren Schluss: Sie ist aufgrund der bisher zu erhebenden Daten überaus vernünftig.

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