Dienstag, 7. Mai 2013

Iron Man 3

Der so genannte "War on Terror" gehört längst zu den beharrlichen Diskussionsgegenständen auch des Spielfilms der letzten zehn Jahre. Seine offenen, direkten Bearbeitungen - wie in Ridley Scotts Body of Lies oder Brian de Palmas Redacted - finden freilich weitgehend unter Ausschluss der Zuschauerschaft statt. Das augenscheinliche Desinteresse an fiktionalen Auseinandersetzungen mit dem wohl drängendsten Konflikt unserer Zeit hat jedes einschlägige Kinoerzeugnis zum Thema - insbesondere in den USA - zum (finanziellen) Flop werden lassen. Die einzigen Ausnahmen stellen ausgerechnet Kathryn Bigelows notorisch ausflüchtige Filme The Hurt Locker und Zero Dark Thirty dar.

Die beiläufigen, mitunter metaphorischen Bezüge zum 'Krieg gegen den Terror' alleine des Mainstream-Kinos sind kaum mehr zu zählen. Unter den auffällig häufig in dieser Gruppe vertretenen Comic-Verfilmungen befindet sich auch Iron Man, jener durchschlagende Auftakt der nun zum zweiten Mal fortgesetzten Filmreihe aus Marvels Avengers-Universum. Pikanterweise gehört die Leinwandadaption der in seinen äußeren Umständen wenig realitätsnahen Mär zudem in den dunstumwobenen Kreis jener Hollywoodproduktionen, die sich massiver Unterstützung durch das US-Verteidigungsministerium erfreuen dürfen. Was dem Pentagon an einer opulenten Umsetzung der Abenteuer des fantastischen Comichelden gelegen haben mag, lässt sich unschwer ausmalen, bleibt aber auch dem ungefragt eingebundenen amerikanischen Steuerzahler hochoffiziell unbekannt.

Auch in Iron Man 3 fällt der Ausdruck "War on Terror", er gilt dem neuen Superschurken der Marvel-Welt und Erzfeind des Titelhelden, den alle nur The Mandarin nennen. Mit mysteriösen Anschlägen terrorisiert dieser die Welt und gibt in düsteren Videostatements den Präsidenten der USA als Fernziel zu erkennen. In typischer Großspurigkeit kontert Lebemann/Tüftler/Superheld Tony Stark mit einer medialen Herausforderung - unter Angabe seiner Privatadresse. Wirklich überraschend ist es also nicht, als der Mandarin das Stark-Anwesen postwendend mit schwerem Geschütz angreift. Oder steckt hinter der Attacke nicht eher der vom späteren Iron Man einst verschmähte Wissenschaftler Aldrich Killian? Bald ist auch Tonys Ex-Assistentin und Neu-Freundin Pepper Potts in das ganze Tohuwabohu verwickelt, das der Mann mit der eisernen Rüstung einmal mehr entwirren muss.

Wer beim Blick auf die Credits von Iron Man 3 erschrickt, dass Jon Favreau, verantwortlich für die ersten beiden Filme, das Regie-Zepter abgegeben hat, kann sich doppelt beruhigt wissen. Zum einen ist sein Schauspiel-Part als Tony Starks Bodyguard Happy nicht nur beibehalten worden, sondern hat sogar - nicht zuletzt aufgrund der weggefallenen Doppelbelastung - eine deutliche Aufwertung erfahren. Noch wichtiger ist zum anderen, dass die Produzenten, zu denen ebenfalls Favreau gehört, mit Shane Black einen geradezu idealen Nachfolger gefunden haben. Black gewährleistet als renommierter Drehbuchautor mit indirekter Beteiligung an den Vorgängerfilmen Kontinuität, bringt jedoch  zudem eine eigene kreative Handschrift mit sich. Deren bestes Zeugnis, Blacks Regiedebüt, die Noir-Komödie Kiss Kiss Bang Bang, garantiert zudem eine stimmige Chemie mit dem personellen Garant der Filmreihe, Robert Downey Jr.

Der ist mit der Figur des Tony Stark unlängst bis zur Ununterscheidbarkeit verschmolzen. An weit verbreitete Bedenken bei Bekanntgabe der Besetzung vor knapp sieben Jahren erinnert man sich nur noch schemen- und schamhaft. Downey Jr. ist Stark ebenso sehr wie Stark Iron Man. Die arrogante Ironie, die aggressive Selbstreflexion, die Downey Jr. dieser Rolle wortwörtlich einverleibt hat, bleibt eine grelle Freude. Das Bild der wechselbaren Körperhüllen ist hier einmal nicht nur Metapher. Die zum Glück weiter unverfroren ausgereizte Süffisanz des Drehbuches, der Downey Jr. erneut eine kopiergeschützte Genialität hinzufügt, konterkariert das unvermeidliche, nun unvermeidlich dreidimensionale Spektakel der Effekte. Guy Pearce als Mad Scientist Killian und besonders Ben Kingsley in der unerwartet schwarzhumorigen Superterroristenrolle sind dem perfekten Protagonisten ebenbürtig - solange sie es eben dürfen. 

Iron Man 3 ist nicht vom US-Militär bezuschusst worden - wenigstens nicht (im Abspann) erkennbar. Im Vergleich mit den beiden armeeunterstützten Vorgängern erscheint das Ende dieser wahrhaft strategischen Allianz aber durchaus plausibel. Profane amerikanische Fußsoldaten braucht es nunmehr kaum, um der bösegewichtigen Terror-Zelle Einhalt gebieten zu können. Unterstützung im finalen Showdown erhält der Eisenmann nicht nur von dem durchaus militärzugehörigen Colonel Rhodes alias "Iron Patriot", sondern sogar von gänzlich unerwarteter Seite - eine der vielen Herrlichkeiten des Drehbuches. Auch insgesamt braucht sich der dritte Film nicht vor den Vorfahren zu verstecken. Die tolle Mischung aus ausladenden Spielereien und durchaus niveaureichem Humor gelingt auch Shane Black ohne erkennbare Mühe.
Zuletzt verrät gar der Gegenwartsbezug - hergestellt durch wiederholte Anspielungen - ein unverhofft kritisches Potenzial. Die Unzuverlässigkeit gerade der medialen Dimension der vermeintlichen Ära des Terrors entlarvt Iron Man 3 mit erstaunlicher Deutlichkeit. Vielleicht hat dem Pentagon diese eingestreute Feindbild-Dekonstruktion tatsächlich nicht recht schmecken wollen.

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