Mittwoch, 10. April 2013

The Incredible Burt Wonderstone

In jeder Parodie steckt zweierlei: Einerseits das Zitat - zumeist in veralbernder Form - eines Originals, die offensichtliche Funktion jeder Persiflage. Andererseits aber unvermeidlich auch die Reproduktion, die Wiedergabe und Fortführung eben des Parodierten. Wer also glaubt, sich im Persiflieren jemals unmissverständlich von seinem Gegenstand abgrenzen zu können, irrt. 

The Incredible Burt Wonderstone serviert ein Paradigma dieses oft auch qualitativen Zwiespalts. Dass der Film den porträtierten Magiern nicht vorurteilsfrei begegnet, verrät bereits das Kinoplakat. Ein sonnenstudiogerösteter, langhaariger Steve Carrell grimassiert darauf in exaltierter Zauberer-Pose. Als Burt Wonderstone hat es der einstige Außenseiter auf die Bretter der berühmt-berüchtigten Hotelbühnen in Las Vegas geschafft. Das Thema seiner seit Jahren unveränderten Show ist ausgerechnet die angeblich unverbrüchliche Freundschaft zu seinem Magie-Partner seit Kindestagen, Anton Marvelton (Steve Buscemi). In Wahrheit können sich die beiden Star-Zauberer längst nicht mehr ausstehen. Beim verzweifelten Versuch, durch einen Ausdauer-Stunt à la Felix Baumgarten ein jüngeres Publikum zu erreichen, kommt es endgültig zum Bruch. 

Wonderstone, der stets über seine Verhältnisse gelebt und es sich in seiner abgehobenen Art mit so ziemlich jedem verscherzt hat, steht plötzlich mit leeren Händen da. Nicht einmal seine letzte Assistentin (Olivia Wilde), die als einzige ihrer Art dem vermeintlichen Charme des Maestros widerstanden hat, gewährt ihm ein Obdach. Während Carrell sein Standardprogramm vom miesepetrigen Loser zum einsichtigen Gutmensch in der eben doch wieder humorvollen Weise abspult, sind auch die übrigen Rollen effektiv verteilt. Zu Buscemi, dem verschrobenen Sidekick, und Wilde, moralischer Kompass (und bald, natürlich, auch Love Interest), gesellen sich James Gandolfini als windiger Hotelbesitzer und Alan Arkin als greises Idol des Protagonisten. Einzig der Kurzauftritt Michael "Bully" Herbigs erscheint - aus Sicht aller Beteiligten - eher rätselhaft.   

Nicht zuletzt ist da noch Jim Carrey, sein ungewohnt kleiner Part hat aber umso höheres Gewicht. Als völlig bekloppter Konkurrent Wonderstones gibt Carrey den personifizierten Overkill-Showman ohne jedes echte Talent. Seine Figur, in deren Selbstverstümmelungen aktuelle Schock-Strategien selbsternannter Magier sicherlich stark überzeichnet werden, erweist sich denn auch als eigentliche Zielscheibe der Parodie. Dem 80er-Witz der Hauptfiguren kann Regisseur Don Scardino dagegen sehr wohl Positives abgewinnen - und wenn auch hier oft stark akzentuiert. Spätestens zum Finale hin wird der durchaus huldigende Aspekt der Persiflage unverkennbar. Die wilden Mähnen und Kostüme, die Carrell und Buscemi zur Schau tragen, mögen bemitleidenswert komisch sein. Und sicherlich ist The Incredible Burt Wonderstone voller Albernheiten. Aber bedauern muss man den Film darum nicht - sondern sollte einfach gedankenlos mitlachen.

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