Montag, 11. März 2013

Oz the Great and Powerful

Erst Krieg der Sterne, dann Alien und jetzt der Zauberer von Oz. Den Stationen dieser merkwürdig anmutenden Abfolge ist gemein, dass den jeweiligen Klassikern weitaus später Vorgeschichten, im Filmgeschäft unlängst "Prequel" getauft, verpasst wurden. Lagen im Fall der Sternenkrieger rund 20 Jahre zwischen Ursprungserfolg und Prequel (Star Wars/1977, Episode I/1999) und bei der wohl berühmtesten aller außerirdischen Kreaturen über drei Jahrzehnte (Alien/1979, Prometheus/2012), ist die zeitliche Diskrepanz im jüngsten Fall ungleich größer. 1939 drehte Victor Fleming jenes fabelhafte Abenteuer, das als The Wizard of Oz wohl jedem ein Begriff sein sollte.

Bevor Sam Raimi im Sommer dieses Jahres den Frevel miterleben muss, wie sein eigener Klassiker Evil Dead per Remake auf den neusten Stand gebracht wird, geht der Regisseur selbst ein wohl noch größeres Wagnis ein. Das Prequel ist dabei freilich das gegenüber reinen Neuauflage und Fortsetzung prinzipiell geringere Übel. Zwar soll dabei für das Original immerhin kein Ersatz gefunden werden; auch die Anmaßung, sozusagen das Fundament einer bereits sichtbaren Konstruktion nachträglich zu begründen, birgt gleichwohl viele Gefahren.
Mit seiner ebenfalls schwarz-weiß gehaltenen Exposition von Oz the Great and Powerful zollt Raimi dem Vorbild jedenfalls erst einmal gebührenden Respekt. James Franco ist in den monochromen Bildern als erfolgloser Magier eines entlegenen Wanderzirkus' zu sehen, der mit der immergleichen Methode hübsche Assistentinnen zu verführen versucht. Auf der Flucht vor einem körperlich überlegenen Konkurrenten besteigt der Blender einen Heißluftballon, der - dem Original gleich - in einen heftigen Sturm gerät. Bemerkenswert ist, dass Raimi bereits diesen Auftakt in 3D-Technik gedreht hat, was eine nicht uninteressante Kombination von Nostalgie und Modernität ergibt.

Als der Ballon niedergeht, hat Oz the Great and Powerful nicht nur Farbe erhalten, die sogleich in größter Vielfalt mit den Graustufen des Beginns kontrastiert, sondern buchstäblich seinen Horizont erweitert: Die anfangs auf die annähernd quadratische Academy Ratio beschränkte Kadrierung sieht sich nun zum Breitwandformat ausgedehnt. Wie einst Judy Garland alias Dorothy findet sich nun der Möchtegern-Zauberer in der skurrilen Fabelwelt Oz wieder, in der allerlei seltsames Getier nun die Dreidimensionalität bevölkert. Sogleich begegnet er einer liebreizenden Dame, die Mila Kunis zurückhaltend und doch hinreißend verkörpert. Sofort erkennt der Gaukler, dass er sich als der lang ersehnte Zauberer ausgeben kann, der Oz laut Prophezeiung von der Tyrannei durch eine böse Hexe erlösen soll.

Hier beginnt das eigentliche Abenteuer des Films, wie sich der junge Mann mit Hilfe eines fliegenden Affen und eines Porzellanmädchens durch die fremde Welt schlägt. Inhaltlich hat dieser Kampf gegen die von einer sinistren Rachel Weisz gespielten Despotin wenig Substanz, dieses Urteil der amerikanischen Filmpresse ist sicher berechtigt. Die fantastische Welt von Oz ist dennoch ein Juwel des Fantasyfilms, weil er die pure Kraft des Kinos betont und reichlich ausschöpft. Bereits die Titelsequenz zitiert jene Täuschungsapparaturen des Jahrmarkts, die als unmittelbare Vorläufer der Filmkunst gelten. So schön wie zuletzt nur Scorseses Hugo gelingt Raimi der Brückenschlag von den Grundfesten des Mediums zu den Möglichkeiten gegenwärtiger 3D-Ästhetik. Dass sich der Regisseur dabei einen der größten Klassiker der ersten Hälfte der Filmgeschichte vornimmt, erscheint so plötzlich als weise gewählte Referenz.

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