Freitag, 22. März 2013

Der Mondmann

Der Zeichentrickfilm - im Jahr 2013 nach Beginn unserer Zeitrechnung eine echte Rarität. Drei Jahre hat sich Regisseur Stephan Schesch mit seinem Team Zeit genommen, den Kinderbuchklassiker "Der Mondmann" für die große Leinwand zu adaptieren. Um es vorwegzunehmen: Der gewaltige Aufwand hat sich gelohnt, der Film erweist sich der Vorlage durchaus würdig.

Dem Mondmann ist langweilig: Tag und Nacht liegt er in seiner Silberkugel im All und hat nichts zu tun. Auf der Suche nach Abwechslung schnappt er sich den nächsten vorbeirauschenden Kometen - und wird prompt auf die Erde katapultiert. Die wird beherrscht von einem machthungrigen Präsidenten, dem alleine der Mond als besetztes Gebiet noch fehlt. Als er von der Ankunft des Mondmanns erfährt, lässt er ihn jagen und beauftragt ein jahrhundertealtes Genie mit der Konstruktion einer Rakete. Bunsen van der Dunkel, seines Zeichens immerhin Urheber aller weltlichen Erfindungen, erkennt schnell, wem seine wahre Sympathie gilt und wer viel dringender zum Mond verbracht werden sollte. Denn die Kinder der Welt vermissen den Mann im Mond bereits und können nicht mehr schlafen....

Der Elsässer Jean-Thomas - genannt Tomi - Ungerer hat "Der Mondmann" in den 60er Jahren geschrieben. An der Verfilmung seines größten Erfolges war Ungerer nicht nur beratend beteiligt. In seiner salbungsvollen, von einem zauberhaften Akzent gefärbten Stimme gibt er auch die Erzählerstimme. Darüber hinaus hat Regisseur Schesch eine hochkarätige Darstellerriege für die Vertonung versammelt, zu der Katharina Thalbach, Ulrich Noethen und Corinna Harfouch gehören.

Auch aus zielgruppenexterner Sicht sehenswert ist Der Mondmann aber wegen zweier, eher visuell dominierter Besonderheiten: Zum einen ist die durchaus kindgerechte Inszenierung gespickt mit zahlreichen oft simplen, aber sehr effektiven Einfällen. So thematisiert der Film mehrmals Perspektivwechsel und Blickverhältnisse, angefangen mit dem Autokinobesuch einer jungen Familie. Zum anderen fällt das mutig entschleunigte Erzähltempo der Verfilmung auf, die manch vermeintlich Erwachsenen offenbar unter- bzw. überfordert (zu beobachten in der von Störungen begleiteten Pressevorführung). Eben in dieser wohltuenden Beharrlichkeit liegt die große Stärke dieser prächtig funktionierenden Umsetzung einer liebevollen Kindergeschichte mit leicht verdaulicher Botschaft.

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