Donnerstag, 3. Januar 2013

Jack Reacher


Eher unauffällig hat sich Pittsburgh zu einer veritablen Filmstadt gemausert. Alleine im vergangenen Jahr wurden Teile der beiden größten Kinokassenerfolge The Avengers und The Dark Knight Rises in der ehemaligen Stahlstadt gedreht, aber auch beachtenswerte Independent-Projekte wie Perks of Being a Wallflower. Die Innenstadt mit Wiedererkennungswert, das facettenreiche Einzugsgebiet und der stetig steigende Hipster-Faktor machen Pittsburgh nun auch zum bevorzugten Setting von Jack Reacher.

Am helllichten Tag werden an einer Uferpromenade fünf Passanten erschossen. Die grauenvolle Tat scheint schnell aufgeklärt: Gestützt auf eine erdrückende Beweislast, nimmt die Polizei einen jungen Kriegsveteranen mit Scharfschützenausbildung fest. Anstelle eines Geständnisses verlangt der Beschuldigte nach Jack Reacher, einem lange verschollenen Top-Ermittler der Militärpolizei. Zur Überraschung des Bezirksstaatsanwaltes erscheint Reacher im nächsten Moment. Eine junge Anwältin, die Tochter des Staatsanwaltes, übernimmt die Verteidigung des Verdächtigen und überzeugt Reacher, ihr bei den Ermittlungen zu helfen. Obwohl auch der zunächst von der Schuld des Mannes überzeugt ist, der bereits im Irak ein blutiges Verbrechen begangen hatte, findet Reacher bald Ungereimten in dem von den Behörden rekonstruierten Tathergang.

Jack Reacher ist ein Tom-Cruise-Film - und macht zum Glück nie ein Hehl aus dieser Dominanz des Superstars. Kleine selbstreflexive Ironien fügen sich nahtlos in den ohnehin trockenen Humor der Vorlage ein. Die stammt von Lee Childs, heißt "One Shot" (so auch der ursprüngliche Filmtitel) und ist Teil einer bis heute 17-teiligen Romanreihe. Drehbuchautor und Regisseur Christopher McQuarrie ist eine durchweg spannende, audiovisuell sorgfältig konstruierte Umsetzung gelungen, die in zunehmenden Maße von der auch für Spötter gut erträglichen Präsenz Cruise' lebt.

Heimlicher Star des Films dürfte aber - nicht nur hierzulande - wieder einmal der Oberschurke sein, obwohl dessen Rolle auf dem Papier nicht allzu innovativ ausfällt. Der Clou liegt in der Besetzung: Kein Geringerer als Werner Herzog gibt den Hintermann der üblen Gesellen, die Reacher alsbald nachsetzen. Wie der exzentrische Filmemacher - einst Kinskis leibhaftiger Endgegner - mit seinem strahlend blauen Glasauge aus dem Halbdunkel lugt, wäre bereits genug des Bösen. Die in miesem Bayrisch-Englisch zum Besten gegebenen Einzeiler (Beispiel: "In Siberia we didn't have knives.") setzen dem Auftritt die Krone auf.

Etwas schade, dass Jack Reacher einer der leider nicht seltenen Fälle ist, in denen die PR-Abteilung einige der cleversten Szenen bereits in den Trailern verpulvert. Wenn sich dadurch Schlüsselmomente lange vorhersagen lassen, können derartige Maßnahmen nicht im Sinne langfristiger Kundenzufriedenheit geschehen. Zumal man um die kaum hätte besorgt sein müssen: Ein paar gepredigte Worthülsen weniger und McQuarries Film hätte einen Platz in den Top 5 der Blockbuster-Jahresbestenliste bereits jetzt sicher.

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