Sonntag, 27. Januar 2013

Frankenweenie


Nach dem oscarnominierten Meisterwerk ParaNorman veröffentlicht Disney nun einen eigenen im denkbar aufwendigen Stop-Motion-Verfahren hergestellten Animationsfilm. Auch Frankenweenie ist in 3D gedreht - oder besser: fotografiert - worden, was den Umfang der akribischen Einzelbildaufnahmen nochmals verdoppelt. Im Gegensatz zur Farbenpracht von ParaNorman erscheint Frankenweenie zudem in Schwarz-Weiß - auch nach The Artist ein (angeblich) besonders hohes finanzielles Risiko im heutigen Filmgeschäft.

Dem großen, ungewöhnlich selbstlosen Einsatz des Mäuse-Konzerns nach zu urteilen, plagt die Verantwortlichen ein schlechtes Gewissen. Mit Frankenweenie gestattet die Animationsschmiede einem gewissen Tim Burton ein Remake seines eigenen Kurzfilmes von 1984 - wegen dessen Kinderinkompatibilität er seinerzeit angeblich von Disney gefeuert worden war. Die späte Einsicht des ehemaligen Arbeitgebers ist wohl nur schwerlich von dem immensen zwischenzeitlichen Erfolg Burtons - Batman, Sleepy Hollow, Alice in Wonderland (2010) usw. - zu trennen. Dem Maestro der stets etwas abseitigen Kunst mag indes wurscht sein, welchem Umstand er die Erfüllung seines Jugendtraumes zu verdanken hat, die in der Frühphase seines Schaffens ersonnene Story nun nochmals mit angemessenem Budget realisieren zu können.

Auch in der Langfassung steht ein Schüler in einer amerikanischen Vorstadt der 1960er im Mittelpunkt der irren Handlung. Der naturwissenschaftlich begabte Victor Frankenstein (!) lässt seinen Hund Sparky kraft (über)natürlicher Elektrizität wiederauferstehen, nachdem dieser von einem Auto überfahren worden ist. Als sich Überraschung und Freude gelegt haben, löst der Junge damit allerdings eine Welle reanimierter Monsterwesen aus, die das Städtchen in Aufruhr versetzt. Selbst mit einer Kreatur, die Godzilla denkbar ähnelt, gibt es im furiosen Finale ein Wiedersehen.

Neben der technischen Feinarbeit und dem hohen Unterhaltungswert ist Frankenweenie filmreferenziell gleich dreierlei von höchstem Belang. Zum einen fungiert der Film als formidables Frankenstein-Remake und liebevolle Hommage. Daneben ist der Protagonist selbst Nachwuchs-Filmemacher - und insofern ein Alter Ego des jungen Burton -, wenn er anfangs mit Sparky mühevolle Amateurstreifen dreht. Schließlich darf das in der Handlung thematisierte Zum-Leben-Erwecken lebloser Figuren als Sinnbild für die Stop-Motion-Technik im Speziellen und das Kino überhaupt verstanden werden.

Aufgrund seiner Horrorfilmelemente, die in zahllosen Verbeugungen vor insbesondere frühen Genrevertretern bestehen, ist Frankenweenie nur bedingt für Kinder geeignet. Allen, die sich durch die düstere, zuweilen morbide Stimmung des Films nicht abschrecken lassen, wird Burtons spätes Remake ein unvergessliches Meisterwerk der filmischen Animationskunst sein.

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