Samstag, 1. Dezember 2012

The Man with the Iron Fists


Schon mit Erscheinen des ersten Kill Bill hieß es 2003, Quentin Tarantino plane eine abendfüllende Hommage an das Martial-Arts-Kino der Shaw Brothers, dem er in der Doppelfilm-Saga unter anderem seine Ehre erwiesen hatte. Was weiterhin auf des Meisters To-Do-Liste verweilt, hat er nun seinem Lehrling RZA ermöglicht, seines Zeichens einer der renommiertesten HipHop-Produzenten des Fachs. Vor diesem seinem Spielfilmregiedebüt beschränkte sich die Kinoerfahrung des Mannes, der mit bürgerlichem Namen Robert Diggs heißt, auf Nebenrollen als Darsteller sowie vereinzelte Engagements als Filmscore-Komponist - beides etwa in Jim Jarmuschs Ghost Dog.

Präsentiert von Tarantino, ist RZA nun The Man with the Iron Fists. Doch bevor der bescheidene Waffenschmied zum Superkämpfer mutiert, fungiert er als Beobachter turbulenter Begebenheiten: Ein eigentlich beschauliches Dorf im China des 19. Jahrhunderts wird nach dem Putsch des machtgierigen Kriegers Silver Lion zum Schauplatz einer epischen Schlacht. Nachdem der neue Häuptling den Goldtransport des Kaisers überfallen hat, ruft das nicht nur den rachsüchtigen Sohn des gestürzten Herrschers, X-Blade, sondern überdies einen erbarmungslosen Fremdling (diabolisch: Russell Crowe), eine listige Bordellchefin (lässig: Lucy Liu) sowie die Armee des Kaisers auf den Plan.

Was zunächst eine offensichtliche Stolperfalle scheint, erweist sich bald als kleine Stärke: Trotz aller Selbstironie nimmt sich der Film in Wahrheit eben doch das entscheidende Quentchen ernst. Dieser Gestus wirkt aber nie verbissen, sondern erfrischend selbst- und genreverliebt. Kein Brüller ist RZA zu schade, auch und gerade wenn es die von ihm eigens verkörperte Titelfigur des in den Schlamassel heillos verstrickten Schmiedes betrifft. Den nötigen Swagger bringt der schauspielernde Autorenfilmer-Komponist als veritable HipHop-Legende ohne jedes Glaubwürdigkeitsdilemma mit sich.

Auch wenn The Man with the Iron Fists die auf Unbedarfte absurd wirkende Verbindung zwischen Kung-Fu und Rap völlig legitim aufgreift, die RZA als Kopf des Wu-Tang Clans höchstselbst begründet hat, liegen hier die verzeihlichen Schwächen der Inszenierung. Sein gemeinsam mit Eli Roth ersonnenes Drehbuch ist wendenreich genug. Wenn RZA manch tösendes Gefecht zusätzlich mit orchestraler Filmmusik und mehrstimmigem Sprechgesang unterlegt, ist das mitunter schlicht zu viel und verrät die Unerfahrenheit des Multitalents als Regisseur. Unnötig zu erwähnen, dass die von RZA co-komponierte Score ebenso vorzüglich ist wie das Gros der HipHop-Tracks, das auch zwei der unlängst raren Clan-Reunions bereit hält.

The Man with the Iron Fists ist trash as trash is. Die Salbung durch Großmeister Tarantino ist RZA nicht zu Kopf gestiegen, der Versuchung, sich an einer Premium-Hommage im Stile des Mentors zu versuchen, widersteht er. Stattdessen ist seine Mixtur ehrliche, gradlinige Exploitation - freches Ausschlachten mit tiefer Verbeugung. Dass im Zitat des Kultigen die Hoffnung auf eigene Kult-Bildung steckt, ist nicht zu übersehen. Bis dorthin ist es ein beschwerlicher, ungewisser Weg. Aber nur dem kühnen Löwen winkt im Dschungel ewiger Ruhm. Oder so ähnlich.

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