Montag, 31. Dezember 2012

Pitch Perfect

Die Verfilmung der Twilight-Saga ist ohne Zweifel ein Phänomen. Eine Erfolgsgeschichte, in deren Mittelpunkt Kristen Stewart und Robert Pattinson stehen, die Hauptdarsteller der Vampirschmonzette. Umso erstaunlicher, dass weder Stewart noch Pattinson in Hollywood auch anderweitig größere Parts ergattert haben. Auch Golden-Globe- oder Oscar-Nominierungen sucht man in ihren Portfolios bisher vergebens. Anna Kendrick kann all dies vorweisen. Die Turbo-Karriere der 27-Jährigen ist direkt auf ihr Mitwirken in den ersten drei Twilight-Filmen zurückzuführen - in einer vergleichsweise winzigen Rolle.

Von der blassen Mitschülerin Bellas und Edwards über einen gewichtigen Nebenpart im vielfach preisgekrönten Up in the Air hat es Anna Kendrick innerhalb weniger Jahre zu einigen Hauptrollen in potenten Großproduktionen gebracht. In Pitch Perfect spielt sie nun, deutlich unter ihrem Alter, eine Neu-Studentin, die in ihrer Freizeit als DJane an Mashup-Tracks bastelt und von einer Karriere als Musikproduzentin träumt. Unverhofft gerät die junge Frau in die Kreise der beiden Acapella-Gruppen des Colleges und wird Mitglied der rein weiblichen Formation The Bellas. Um bei einem regionalen Contest gegen die rivalisierende Gruppe einiger talentierter Spätpubertierender bestehen zu können, trainieren die bunt zusammengewürfelten Mädels hart.

Pitch Perfect hätte eine kleine Mainstream-Überraschung sein können - wären da nicht diverse Kleinigkeiten. Zu viele Kleinigkeiten. Da ist der Klatschroman-Papa mit seiner überakzentuierten Hörbuchstimme. Oder der ätzende Leadsänger der Konkurrenzformation, der so gerne Jack Black wäre, aber noch als dessen Sohn unerträglich. Oder die unbelehrbare Frontfrau der Bellas, deren Urgroßvater man einen derartigen Stockkonservativismus nicht einmal abkaufen würde. In all diesen Überzeichnungen liegt der große Makel des Films: Die Schemata werden auch dann noch unbeirrt eingerieben, als sich die überfälligen Kurswechsel längst im Detail vorhersehen lassen.

Wem die sehr bemühte Heilsbotschaft des kathartischen Wendemanövers - Spring über Deinen Schatten! Erkenne die Zeichen der Zeit! - wurscht ist, kann sich dennoch an einem ziemlich zeitgemäßen Musical erfreuen. Nicht mehr und nicht weniger ist Pitch Perfect in Wahrheit. Dann lässt sich manche charakterliche und dramaturgische Kapriole, manch gestolperte Plotentwicklung gut verkraften. Und dass Anna Kendrick auch hervorragend singen kann, davon kann man sich nebenbei zudem überzeugen.

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