Freitag, 5. Oktober 2012

On the Road


Der Roadmovie gehört zu den gefestigteren Filmgattungen. Es ist das wohl amerikanischste aller Genres. Untrennbar verbunden mit der Geschichte der USA, mit der geografischen Weite insbesondere des Mittleren Westes der Vereinigten Staaten. Gepaart mit der zwar oft zyklisch erzählten, aber zumeist linearen, auf ein recht konkretes Ziel gerichteten konventionellen Narration des Spielfilms trifft beim Roadmovie zusammen, was augenscheinlich zusammengehört.  

Ist ein Film On the Road betitelt, überrascht die Zuordnung in ebendiese dramaturgischen  Gefilde nicht. Wenn der Roadmovie ein klassisches Genre ist, dann ist dies ein klassischer Roadmovie. Die Hauptfigur auch dieses Vertreters ist Amerika, versinnbildlicht durch die allgegenwärtige Metapher der Straße. Auf ihr unterwegs ist der junge Schriftsteller Sal, den Sam Riley melancholisch spielt, zumeist in Begleitung seines stürmischen Freundes Dean, der personelle Anker der Story. Wie ein menschlicher Strudel zieht Dean, furios dargestellt von Garrett Hedlund, den zurückhaltenderen Sal in ein Jahre währendes Abenteuer aus Sex, Drugs und Jazz - die Handlung spielt in den späten 1940er Jahren.

Von New York führt die Reise On the Road unter anderem nach Denver, schließlich nach San Francisco - und zurück. Aber natürlich dreht sich auch diese Odyssee nur vordergründig um Ortswechsel, interessiert sich weniger - das wiederum ist eher genreuntypisch - für landschaftliche Panoramen. In Wirklichkeit geht es, klar, um die innere Rastlosigkeit des Protagonisten. Während Stan den umtriebigen Dean für dessen atemlosen Lebenswandel zunächst noch bewundert, zeigen sich alsbald Risse in der Fassade dessen scheinbar kompromisslosen Gebahrens. Unterdessen kämpft der Autor selbst um die Fertigstellung seines ersten Buches.

Inhaltlich ist die Adaption des zu seiner Veröffentlichung gefeierten Beat-Romans "On the Road" eher überschaubar. Angereichert durch einen dritten jungen Mann im Bunde, der sich zu Dean hingezogen fühlt, und zwei junge Frauen, der sich der Schwerenöter meist parallel hält, wiederholen sich die Ereignisse nur leicht variiert. Kristen Stewart gibt mit großem Einsatz die interessantere der beiden weiblichen Nebenfiguren, gerät aber lediglich etwas schauwertiger unter die Räder des männlichen Treibens als die nicht nur äußerlich erschreckend blasse Kirsten Dunst.

Bleiben die durchaus stimmungsvollen Bilder, untermalt von den hypnotischen Klängen Gustavo Santaolallas. Der Brasilianer Walter Salles wirkt bei seiner Regie von On the Road aber insgesamt etwas unentschlossen: Einerseits übernimmt er unzählige Details der Vorlage, findet dabei aber wenig Variation oder gar Neues, das die fast zweieinhalb Filmstunden rechtfertigen würde. Dennoch verfehlt das Drama allein dank des atmosphärischen Sogs, den vor allem die männlichen Hauptakteure entfalten, seine Wirkung nicht vollständig. Als exemplarischer Roadmovie gereicht Salles' Film allemal.

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