Freitag, 5. Oktober 2012

Madagascar 3


Als sie 2005 ihr langjähriges Projekt "Wild Life" fertigstellten, ahnten Eric Darnell und Tom McGrath wohl nicht, auf welch immense Resonanz das Unterfangen stoßen würde. Und dass dieser Erfolg unweigerliche Fortsetzungen nach sich ziehen würde. Hätten sie damals alle Konsequenzen absehen können, sie hätten sich vermutlich nicht dazu bewegen lassen, den Film schließlich in Madagascar umzubenennen.

Wenn nun das zweite Sequel des seinerzeit umsatzstärksten DreamWorks-Animationsfilms nach Shrek erscheint, ist die Beibehaltung des Titels eigentlich nicht mehr zu rechtfertigen. Des Wiedererkennungswertes halber heißt der dritte Teil nun etwas widersprüchlich Madagascar 3 - Flucht durch Europa. Eine winzige Anspielung auf den afrikanischen Inselstaat bleibt bloß der allerletzten Szene des Films vorbehalten.

Abseits dieser kleinen formalen Unstimmigkeit erweckt Teil 3 der Geschichte um den Löwen Alex, das Zebra Marty, die Nilpferddame Gloria und die Giraffe Melman aber nicht den Eindruck, den Machern würden die Ideen ausgehen: Vor allem für Alex steht nach dem letzten Abenteuer auf dem afrikanischen Festland fest, schnellstmöglich in die New Yorker Heimat zurückzukehren. Also folgen die vier Freunde der technisch versierten Pinguinbande nach Monte Carlo. Nachdem ihnen dort eine fanatische Tierfängerin auf die Fersen gekommen ist, werden die Zooflüchtlinge - gemäß dem originalen Zusatztitel - zu "Europe's Most Wanted".

Spätestens als sich die gar nicht wilden Gesellen daraufhin einem Wanderzirkus unter der tierischen Leitung des russischen Tigers Vitaly anschließen, ist die zu befürchtende inhaltliche Beliebigkeit von Madagascar 3 abgewendet. Wohl auch dank der überraschenden Drehbuch-Mitarbeit des Independentfilmers Noah Baumbach macht auch das dritte Kapitel der animierten Saga durchaus Spaß.

Stilistisch ist die Frage der Notwendigkeit dieser zweiten Fortsetzung weniger eindeutig zu beantworten. Hier verfahren Darnell, McGrath und Kollaborateur Conrad Vernon frei nach dem Motto "Hauptsache grell!". Ob der bunt-hektische audiovisuelle Overkill Kinder begeistern oder eher überfordern wird, muss sich zeigen. Auf ältere Zuschauer wirkt das erstmals in 3D gedrehte Sequel wie eine unnachgiebige Bonbonkanone - ein wenig wie Madagascar auf LSD.

Überflüssig darf man Madagascar 3 aber glücklicherweise nicht nennen. Dazu wird der vorläufig letzte Teil der Reise von Alex, Marty & Co. zu unterhaltsam und weiterhin angenehm witzig fortgeschrieben. Da die Odyssee aber - soviel darf man verraten - ebendort endet, wo sie vor nunmehr 7 Jahren ihren Ausgang nahm, sollte man die Madagascar-Saga hiermit vielleicht in der Tat beschließen. Gegen weitere gelegentliche Pinguin-Kurzfilme hat aber wohl niemand etwas einzuwenden.

Keine Kommentare: