Donnerstag, 13. September 2012

Vatertage

Basti verdingt sich als Rikscha-Fahrer in München und lebt in einer chaotischen Künstler-WG. Er ist leidenschaftlicher Tuba-Spieler, wechselt Bettgefährtinnen wie andere Socken und ist überzeugter Bayer. Man möchte vermuten, Basti sei allenfalls Mitte 20, aber in Wahrheit zählt er immerhin 37 Lenze. Und wird sich alsbald Großvater nennen dürfen. Wie aus dem Nichts platzt die 17-jährige Dina in Bastis Junggesellendasein und verkündet nicht nur, seine Tochter zu sein, sondern ist ihrerseits Mutter des kleinen Pauls. 

Da staunt Basti nicht schlecht, der sonst um keinen kessen Spruch verlegen ist. Sebastian Bezzel spielt den "Opa über Nacht", wie der Titelzusatz des Films unnötigerweise erklärt, als wäre es seine erste und letzte Rolle. Auch wenn Vatertage von herrlichen Absurditäten nur so gespickt ist, Bezzel/Basti ist die größte Kuriosität dieser Münchner Komödie. Dabei ist die Konkurrenz nicht zu verachten: Etwa Bastis stockschwuler Vater, den Hainer Lauterbach in seinem bestem Auftritt seit langem gibt, samt griechischem Loverboy. Oder Fels, kindliche Quasselstrippe, Nachwuchs-Souchef und mutmaßlicher Erzeuger von Paul.

In Vatertage ist nichts, wie man es selbst von einer einheimischen Klamotte erwarten würde. Nicht die Reaktionen der abstrusen Charaktere auf die unerwartete Situation, nicht der Witzrhythmus. Diesen Humor in Worten zu beschreiben, ist nicht leicht - man muss ihn eigentlich selbst erlebt haben. Am ehesten kann man die Komik vielleicht unvorhersehbar nennen. Aber das bezeichnet nur das schräge Timing, bei der oft gerade kein Witz kommt, wenn man ihn erwartet - und umgekehrt. Urig wäre ein weiterer Versuch, denn der Humor ist herzlich und doch deftig, zumal meist bayrischen Ursprungs.

Dennoch, das ist wohl das willkommenste Kompliment, was man Vatertage machen kann, spottet dieser Film jeder Beschreibung. Man muss Bastis spezielle München-Tour eigens gesehen, seinen stets leicht benebelten Schmäh selbst gehört haben. Und die grandiose Musik, in der die Hip-Hop-Blaskapelle Moop Mama traditionelle mit modernen Ansätzen kongenial vereint. Hauptattraktion dieser heiteren Vatertage bleibt aber Sebastian Bezzel, der seinen Marktwert nach Nebenrollen und Konstanz-"Tatort" hiermit spielend vervielfacht.

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