Donnerstag, 4. November 2010

MACHETE (ab 04.11.2010)

Die Entstehungsgeschichte von Robert Rodriguez’ neuem Streifen ist eine wahrhaft einmalige. Machete dürfte nämlich das einzige Werk zumindest der Mainstream-Geschichte sein, für das zunächst ein vollständiger Trailer angefertigt worden ist – und erst Jahre später der eigentliche Hauptfilm. Hintergrund dieser bemerkenswerten Genese: Für das Doppelprojekt Grindhouse lassen dessen Regisseure Rodriguez und Quentin Tarantino als Rahmenprogramm 2007 einige Fake-Trailer drehen – aufwendige Quasi-Vorschauen für nicht existente Filme. Unter dem Titel „Machete“ steuert Rodriguez damals einen der Trailer selbst bei, basierend auf der gleichnamigen Nebenfigur aus seinen drei „Spy Kids“-Filmen. Fans und Macher lässt die Verheißung dieser unvollendeten Ankündigung fortan nicht los. Gemeinsam mit seinem langjährigen Cutter Ethan Maniquis hat Rodriguez aus diesen Ansätzen nun tatsächlich einen abendfüllenden Film entwickelt.

Gemäß dem großartigen Fake-Trailer erzählt auch die Langfassung die Geschichte eines Mannes, der in ein aberwitziges Geflecht aus korrupten Politikern und ebenso machtgierigen Berufsverbrechern gerät. Eigentlich soll Machete einen rassistischen Senator erschießen, der in bester Seehofer-Manier über angebliche Überfremdungstendenzen schwadroniert. Doch schnell wird der alternde Killer selbst zur Zielscheibe übler Gesellen. Unverhoffte Unterstützung erhält Machete durch ein Untergrund-Netzwerk, in dem sich systematisch unterdrückte Mexikaner organisiert haben. Zwischen den Fronten operiert eine attraktive Agentin der Einwanderungsbehörde, die sich bald für eine der beiden Seiten entscheiden muss.

Die Figur Machetes ist untrennbar mit dem mexikanischstämmigen Darsteller Danny Trejo verbunden, der den nach seinem bevorzugten Tötungsinstrument benannten Mann seither verkörpert hat. Und so ist Trejo nunmehr auch in Spielfilmlänge in der Rolle jener Personifikation des überschaubaren Mexploitation-Genres zu sehen. An seiner Seite prügelt und schießt sich eine illustre Riege namhafter Kollegen durch die mitnichten einfach gestrickte Story. Neben Jessica Alba, Robert De Niro, Michelle Rodriguez, Lindsay Lohan und einigen üblichen Verdächtigen wie Cheech Marin oder Tom Savini hält Machete zwei faustdicke Überraschungen parat: Don Johnson als gnadenloser Grenzpolizist und kein Geringerer als Steven Seagal als noch skrupelloserer Drogenboss. Alleine wie Rodriguez den finalen Kampf zwischen dem Titelhelden und Seagals Antagonisten auflöst, ist schlichtweg genial – und verrät des Filmemachers feines Gespür für die Filmografien seiner Stars und die hohe Kunst des tiefgründigen Trashs.

Auch insgesamt ist Machete in der Tat trash as trash can – nämlich eben nicht nur albern, sondern mit der genau richtigen Portion Sozialkritik und Selbstreferenz versehen. Rodriguez’ Film bietet alles, was der Trailer seinerzeit versprochen hat: Danny Trejo, Erotik und jede Menge Blut – verursacht nicht nur, aber am Spektakulärsten durch die titelgebende Machete.

Wertung: ■■■■■■■■■■■□□□□ (11/15)

© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Oktober 2010