George Clooney im beschaulichen Italien als Waffenlieferant einer Auftragskillerin – diese Umschreibung könnte, mit etwas Phantasie, als metaphorische Lebensbeschreibung des längst nach Europa ausgewanderten Star-Schauspielers und verschmitzten Frauenschwarms verstanden werden. Insofern ist Clooney die Rolle des mysteriös-charismatischen The American, der in Europa Auftragsmorde organisiert, wie auf den Leib geschnitten. Nachdem Jack in Schweden enttarnt und von wesentlich unkultivierteren Gesellen um ein Haar über den Haufen geschossen worden ist, flieht er nach Italien. Dort schickt ihn sein Auftraggeber in ein verschlafenes Bergdorf in den Abruzzen. Doch selbst in dieser ländlichen Idylle ist es um die Ruhe bald geschehen, als Jack in den Bann zweier Frauen gerät, von denen wenigstens eine Tödliches im Schilde führt.
The American seine störrische Ruhe, seine demonstrative Unaufgeregtheit vorzuwerfen, wäre paradox. Zu offensichtlich und systematisch ist Regisseur Anton Corbijn – ja, der Starfotograf – auf ein ungebrochenes Stillleben aus, zu akribisch setzt er seinen bescheidenen Suspense in plastisch sichtbaren Einzelbausteinen zusammen. Das führt, so sehr Corbijn diesen Effekt auch beabsichtigen mag, zu einer schleppenden Langsamkeit, zu einer zähen Schönheit addierter Augenblicke. Nie verliert der Regisseur dabei ein Minimum an Erzählfluss aus den Augen, nie entsteht dabei andererseits ein Spannungsmoment, der wirklich packen würde. Nicht nur im Angesicht der malerischen Dörflichkeit Südeuropas, die auch The American als Setting dient, erinnert der Film an Jim Jarmuschs meisterlichen Limits of Control aus dem vergangenen Jahr. Bei Corbijn fehlen indes die philosophisch-rätselhaften Begegnungen des einsamen Auftragskillers, mit denen Jarmusch sein filmisches Gemälde die entscheidende Facette verliehen hatte. Aber für solch graue Theorie interessiert sich Corbijn schlicht nicht. Ihm werden die zahlreichen Klischees, die sein Film anreißt, wohl bewusst und keine Freude sein. Doch The American bricht diese Gemeinplätze nicht durch Variation, sondern indem er sie mit geradezu aufreizender Gelassenheit ins Leere laufen lässt. Der alternde Sünder, die liebesdurstige Hure, der fehltretende Hirte – sie alle schleichen sehenden Auges in ihr unvermeidliches Schicksal. So holzschnittartig diese Charaktere angelegt sind – dank ihrer behutsamen, aber sorgfältigen Ausdifferenzierung nimmt man all diesen Figuren den praktizierten Fatalismus gleichwohl jederzeit ab.
The American, dem das eingeschobene Adjektiv „quiet“ wohl nur fehlt, weil es diesen Titel als Philip-Roth-Roman und -Verfilmung bereits gibt, ist ein denkbar leiser Thriller, von zwei deutschen Kollaborateuren Corbijns wunderschön fotografiert und vertont. Die Kamera Martin Ruhes fasst die dankbare Ästhetik Mittelitaliens in wohltemperierte Bilder, kein geringerer als Herbert Grönemeyer steuert eine verträumte Filmmusik bei, die in mehrerlei Hinsicht als „piano“ bezeichnet werden kann. Überhaupt trifft The American diese Beschreibung vielleicht am besten: Der Film ist wie eine ruhige Klaviersonate, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die großen Themen des Lebens zu erzählen – als Krimi.
Wertung: ■■■■■■■■■■□□□□□ (10/15)
© T. Richter (filmversteher@gmail.com), August 2010
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