Dass man Terry Gilliam nicht mit der Verfilmung der Harry-Potter-Romane betraut hat, ist eine der größten Fehlentscheidungen der Filmhistorie – und es ist eine, die natürlich nie gänzlich zu ermessen ist. Nicht zuletzt seit den seltsamerweise dennoch erfolgreichen Potter-Filmen erlebt die Zauberei im Kino eine Hochkonjunktur. Christopher Nolans The Prestige und The Illusionist mit Edward Norton dürfen als die besten der magischen Filme der letzten Jahre gelten. Mit The Socerer’s Apprentice schickt Mega-Produzent Jerry Bruckheimer nun einen neuerlichen Filmzauber ins Rennen. Doch so ganz ernst nimmt sich dieser Film – der übrigens keine Adaption von Goethes „Zauberlehrling“ ist (oder eine sehr, sehr weit entfernte) und hierzulande Duell der Magier heißt – nicht, zum Glück.
Bereits die Vortitelsequenz von The Socerer’s Apprentice ist derart überbordend und hochtrabend, dass man zunächst nur hofft, dieser hektische Abriss im Slapstick-Tempo sei wenigstens teilweise ironisch gemeint. Vom Zauberer aller Zauberer, dem großen Merlin, ist da die Rede und wie sich dessen drei Schützlinge gründlich in die Haare bekommen. Einen von ihnen, Balthazar (Nicolas Cage), treffen wir kurz darauf im New York der Gegenwart wieder. Nach zehnjähriger Gefangenschaft in einer Vase hat Balthazar zwei Aufgaben: Er muss den legitimen Nachfolger Merlins, den in Sachen Magie scheinbar ahnungslosen Physik-HiWi Dave (Jay Baruchel) von dessen immensem Erbe überzeugen und seinen Widersacher Horvath (Alfred Molina) daran hindern, die Weltherrschaft zu übernehmen.
Dass Balthazar vom wie immer hemmungslos overactenden Nicolas Cage gespielt wird, erweist sich schnell als Glücksgriff. Nach der üblichen Eingewöhnphase, in der Cage wie ein übermotivierter Provinztheatermime wirkt, ist schnell klar, dass ihm die Absurdität des Geschehens von The Socerer’s Apprentice sehr wohl bewusst ist. Ebenso goldrichtig sind die Besetzung seines widerwilligen Lehrlings durch den trottelig über die Leinwand stolpernden Jay Baruchel und die des verzweifelt um sein Antagonistendasein ringenden (weil eigentlich viel zu netten) Alfred Molina als Horvath. Als erfrischend unkompliziert erweist sich auch des Nachwuchszauberers Love Interest. Jene Becky Barnes – der alliterative Name darf abermals als Augenzwinkern verstanden werden, hier scheint die handelsübliche Superhelden-Nomenklatur Pate gestanden haben – ist nett anzusehen, nett und erstaunlich unzickig. Sicher hätte der von der unbekannten Teresa Palmer gespielte Part weiter ausgebaut werden können, aber neben ihrer fixen Bereitschaft, die schier unglaublichen Verwicklungen ihres viel zu nerdigen Neu-Freundes zu schlucken, greift Becky gar im Showdown entscheidend ein. Der wiederum ist das gelungene Finale eines natürlich dämlichen Plots, dessen Umsetzung dank zahllosen kreativen Drehbuch- und Regie-Einfällen und einer gepfefferten Portion Selbstironie wesentlich mehr Spaß macht, als es der peinliche Misserfolg an den amerikanischen Kinokassen vermuten ließe.
An diesem Flop ist möglicherweise die PR-Strategie des Filmes schuld, da der Trailer zu Socerer’s Apprentice ausgerechnet auf düsteren Realismusbezug setzt. Weder Mythos noch Illusion noch Einbildung sei das Filmgeschehen, heißt es in der viel zu ernsten Vorschau, in der das Duell der Magier nach einem bierernsten Zauberei-Spektakel klingt. Dass Jon Turteltaubs Film das eben nicht ist, deutet erst das Ende des Trailers an; dass er es auch nie sein will, macht den tatsächlichen Film sehr erträglich.
Wertung: ■■■■■■■■□□□□□□□ (8/15)
© T. Richter (filmversteher@gmail.com), August 2010
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