Donnerstag, 8. April 2010

BROOKLYN'S FINEST

Wer die folgende Inhaltsangabe von Brooklyn’s Finest – Gesetz der Strasse hört und auch nur peripher mit dem US-amerikanischen Genrekino vertraut ist, wird schwören, den Film bereits gesehen zu haben: Ein Cop, Ethan Hawke, der natürlich eigentlich nur die junge Familie ernähren will, wird von seiner Geldnot dazu getrieben, beschlagnahmte Drogengelder zu veruntreuen. Ein zweiter Cop, Richard Gere, er ist vom jahrzehntelangen Dienst sichtlich gealtert und – wie sollte es anders sein – nur Tage vom heiß ersehnten Ruhestand entfernt, soll einen grünschnabeligen Anfänger einarbeiten. Ein dritter Cop, Don Cheadle, der schwarz ist und folglich nur undercover ermitteln darf, muss mit der ständigen Angst leben, enttarnt zu werden, bevor er endlich den lange versprochenen Schreibtischdienst antreten darf. Auch wenn das Muster dieser Handlung, in der sich die Dramen der drei Polizisten freilich bald miteinander multiplizieren, gespenstisch vertraut klingt – ist Antoine Fuquas Brooklyn’s Finest tatsächlich in dieser Woche erstmals in deutschen Kinos zu sehen.

Nach drei gründlichen Fehltritten – dem kriegsgeilen Tears of the Sun, dem geschichtsverdrehenden King Arthur und dem waffenverherrlichenden Shooter – ist Fuquas unterdurchschnittlicher neuer Streifen Brooklyn’s Finest eine deutliche Verbesserung. Dass der Film ein schamloses Sammelsurium hunderter Polizeifilmklischees und somit unter anderem ein Abklatsch von Fuquas eigenem Training Day ist – geschenkt. Trotz allem unfreiwilligen Wiedererkennungswert wahrt auch Brooklyn’s Finest eine gewisse, allerdings unvermeidliche Unvorhersehbarkeit: Natürlich lässt sich nie sagen, ob die nächste dem Gegenüber ins Gesicht gehaltene Wumme gleich losgeht oder nicht. Dieser sozusagen „dialektische“ Spannungseffekt, der im Minutentakt zwischen Leben und Tod wandelt, hat indes wenig mit einem echten Überraschungsfaktor oder gar Nervenkitzel zu tun. Es spielt lediglich denselben stumpfsinnigen Trick sooft durch, bis sich auch der letzte Zuschauer dank der unheiligen Allianz von Gewöhnung und Abnutzung in die Gleichgültigkeit verabschiedet hat. Die einzige Stärke von Fuquas lahmem Copthriller bleibt seine handwerkliche Präzision, die immerhin eine angemessen elende Atmosphäre schafft. Darüber hinaus ist Brooklyn’s Finest – Gesetz der Strasse vor allem eines: verdammt beliebig.

Wertung: ■■■■■■□□□□□□□□□ (6/15)

© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Januar 2010