Donnerstag, 4. März 2010

CRAZY HEART

Getragen von der intensiven – und vermutlich bald oscarprämierten – Leistung von Jeff Bridges erzählt die Romanverfilmung Crazy Heart von einem alternden Country-Star, der die Blüte seiner achtbaren Karriere längst hinter sich gelassen hat. Schwer gezeichnet vom Alkohol und vier gescheiterten Ehen muss sich Bad Blake mit bescheidenen Auftritten in ländlichen Kneipen durchschlagen. Da trifft es sich gut, dass er die Gelegenheit erhält, die Show eines umschwärmten, ein paar Jahrzehnte jüngeren Sängers zu eröffnen. Colin Farrell spielt jenen Tommy Sweet, dessen Werdegang einst als Vorprogramm zu Bad Blakes Glanzzeiten begonnen hatte, und bestreitet sämtliche Gesangseinlagen, ebenso wie Bridges, routiniert höchstselbst. Als Bad, der seinen wahren Namen erst auf dem eigenen Grabstein preisgeben will, bei einem Interview die junge Mutter Jean trifft, erscheint endlich auch privater Hoffnungsschimmer am Horizont. Vollkommen zu Recht ist auch Maggie Gyllenhaal für ihre Rolle als ungewöhnlicher love interest für einen Oscar nominiert.

Souverän entfaltet Erstlingsregisseur Scott Cooper in Crazy Heart die zwar konventionelle, aber dennoch mitnehmende Story eines gefallenen Helden, der den wortwörtlichen Kater einer feucht-fröhlichen Karriere als beliebter Country-Sänger zu überstehen versucht. Angelehnt an die Lebensgeschichte von Legenden der Szene wie Kris Kristofferson oder Hank Thompson, entwickelt der Film eine Biografie, die unaufgeregt die Balance zwischen emotionalem Niedergang und zaghafter Versöhnung findet. Untermalt von einer auch für Verächter der nordamerikanischen Folklore erträgliche Dosis Musik, ist Crazy Heart ein grundsolides Drama, das dank der großartigen Darsteller fesselnde Momente hat.

Wertung: ■■■■■■■■■■□□□□□ (10/15)

© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Februar 2010