Donnerstag, 4. Februar 2010

UP IN THE AIR

Als siebter Mensch der Welt 10 Millionen Flugmeilen zu erreichen – das ist das Lebensziel von Ryan Bingham. Während andere von Kreuzfahrten, teuren Autos oder einem Full-HD-Beamer träumen, hat Ryan nur die Mitgliedschaft in der exklusiven Vielflieger-Höchstklasse im Visier. Auch mit Ende 40 endlich sesshaft zu werden, gar eine eigene Familie zu gründen, kommt dem smarten Mann nicht in den Sinn. Stattdessen lebt Ryan förmlich in der Luft, immer neue Hotels sind sein einziges Zuhause. Von einem Auftrag zum nächsten zu reisen und dabei im Wochenrhythmus die gesamten USA zu durchqueren, ist nicht nur sein Alltag, dieser unstete Lebenswandel ist Ryans Erfüllung.

Pikanterweise ist dieser Ryan Bingham, den George Clooney mit einiger Finesse verkörpert, nicht irgendein Handlungsreisender: Ryan feuert Menschen, täglich Dutzende. Wenn feige Personalchefs nicht den Hiobsbotschafter spielen wollen, überbringt er die Schreckensnachricht den ahnungslosen Angestellten. Auch diese delikate Note seines Tuns scheint Ryan keine Bauchschmerzen zu bereiten. Ohne Skrupel, aber eben auch nicht herzlos entlässt er fremde Menschen in die Arbeitslosigkeit. Doch, wie sollte es anders sein, auch diese etwas sonderbare Idylle kann nicht von langer Dauer sein. Eine blutjunge Harvard-Absolventin (Anna Kendrick aus Twilight und New Moon) hat Ryans Boss (Jason Bateman) von einem neuen Kündigungsprocedere via Webcam überzeugt – eine Modernisierung, die den passionierten Durchreisenden an den Schreibtisch fesseln würde. Plötzlich gerät Ryans sorgsam zurechtgelogene Glückseligkeit kräftig ins Wanken.

Mit seinem dritten Film Up in the Air liefert Jason Reitman eine im wahrsten Wortsinne luftige Komödie ab, die ihr durchaus schwerwiegendes Thema sympathisch transportiert. Geschickt verwebt Reitman die skurrile Geschichte seines Protagonisten mit einer stetig schwelenden Kritik an der Fragilität mancher moderner Lebensentwürfe. Auch die tägliche Realität gesichtsloser Zeitungsmeldungen über Massenentlassungen erfährt so eine durchaus löbliche Würdigung, zumal der Film mehrfach die Reaktionen echter Arbeitsloser in die fiktive Handlung montiert. Zwar erreicht Up in the Air nicht die mondäne Klasse des oscargekrönten Vorgängers Juno, ist seinerseits aber eine wunderbar goutierbare Hollywood-Farce mit der nötigen Portion Pathos.

Wertung: ■■■■■■■■■■□□□□□ (10/15)

© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Januar 2010