Die schwierige Aufgabe, welchen Film er auf seine milliardenschwere „Lord of the Rings“-Trilogie folgen lassen würde, hat Peter Jackson geschickt gelöst. 2005 wählt er erneut eine weltweit bekannte Geschichte und dreht ein spektakuläres Remake von King Kong. Auch für sein neues Projekt stützt sich Jackson auf ein bereits zuvor erfolgreiches Buch, legt mit The Lovely Bones jedoch einen weitaus kleiner dimensionierten Film vor.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Alice Sebold, zeigt The Lovely Bones (dt.: In meinem Himmel) ein achtjähriges Mädchen, das aus einer Welt zwischen Leben und Tod von ihrer eigenen Ermordung erzählt. Obwohl gegenüber der Vorlage viele Details verändert worden sind, übernimmt Jackson in seiner Verfilmung die narrative Struktur des Buches, in der jene Susie nicht nur die Umstände ihres eigenen Todes kommentiert. Zudem fasst die ungewöhnliche Erzählerin ihr kurzes Dasein vor dem tragischen Unglück zusammen und beobachtet, wie ihre Familie und auch ihr Mörder mit ihrem Ableben umgehen.
Erstaunlicherweise erweist sich Peter Jacksons neuer Film als Drama als eher beliebig. Zwar ist die Geschichte des aus dem Jenseits erzählenden Mädchens auf seltsame Weise charmant und oft sehr mitnehmend. Manchen emotionalen Anknüpfungspunkt verspielt Jackson aber durch die arg kitschigen Effekte „seines“ Himmels. In gedeckt grellen Farben spielt der Film mit allerlei abstrakten Visualisierungen der – übrigens völlig areligiösen – Zwischenwelt, entwirft aber nie einen in sich stimmigen Kosmos.
Weitaus erfolgreicher funktioniert The Lovely Bones dagegen als erstaunlich düsterer Thriller. Immer wieder baut der Film knisternde Spannungsbögen auf, die sich insbesondere auf die Frage zuspitzen, ob Susies Mörder überführt werden kann oder gar weitere Verbrechen begehen wird. Stanley Tucci, zu Recht für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert, verleiht dem Antagonisten eine dankenswerterweise durchaus ambivalente Gestalt. Auch die junge Saoirse Ronan darf, gerade wegen ihres geringen Bekanntheitsgrades, als passende Besetzung der Hauptrolle gelten.
Mit The Lovely Bones ist Peter Jackson eine nachdenkliche Adaption des Erfolgsromans von Alice Sebold gelungen, die auf manchen überzogenen Effekt gut hätte verzichten können, besonders als packendes Thrillerdrama aber insgesamt überzeugt.
Wertung: ■■■■■■■■■■□□□□□ (10/15)
© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Februar 2010
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