Lange ist Clint Eastwoods neuer Film, seine dreißigste (!) Regiearbeit, als Filmbiografie Nelson Mandelas angekündigt worden. In Wahrheit ist Invictus jedoch in erster Linie ein sorgfältiges Sportdrama, das es gleichzeitig nicht versäumt, Essentielles über das Leben und Wirken Mandelas zu kommunizieren.
Die Verfilmung setzt mit der Entlassung Mandelas im Jahr 1990 an. Bereits in diesen frühen Szenen verkörpert der große Morgan Freeman den berühmten Menschenrechtler und Politiker mit leidenschaftlicher Akribie. Ebenso gewissenhaft vollzieht Invictus in der Folge die schwierige Amtseinführung Mandelas nach. Dabei nutzt Eastwood die Leibwächtergarde des neuen südafrikanischen Staatsoberhauptes, um die nach wie vor schwelende Rassismusproblematik zu verdeutlichen: Zunächst geraten die schwarze und die weiße Fraktion der Personenschützer heftig einander, müssen gemäß der mutigen Vision Mandelas aber bald lernen, friedlich zusammenzuarbeiten. Spätestens nach diesem ersten Filmdrittel tritt sodann der Volkssport Südafrikas, Rugby, in den Vordergrund der Erzählung. Mandela erkennt das vereinende Potenzial der anstehenden Weltmeisterschaft und nutzt die mit einem Formtief kämpfende Nationalmannschaft, um die sozialen Spannungen abzubauen. Dabei trifft er auf den (weißen) Kapitän der „Springboks“, François Pienaar. Trotz körperlicher Uneignung wird Pienaar, der sich von Mandelas Lebens- und Leidensweg inspirieren lässt, von Matt Damon eindringlich dargestellt.
Wie sich Eastwood die sportliche Nacherzählung des durch den Filmtitel leider preisgegebenen Erfolges des südafrikanischen Rugby-Teams seinerseits zunutze macht, ist abermals exzellent. Mit zunehmend wenigen Szenen, die in einem reinen Politdrama zu erwarten gewesen wären, gelingt es dem nunmehr 78-jährigen Regisseur, die historischen und politischen Implikationen des Endes der Apartheid glaubhaft nachzuzeichnen. Dass sich Invictus im letzten Abschnitt der Spieldauer dann fast ausschließlich auf den Sport konzentriert, ist kaum verwunderlich, liegt dem Film doch das Buch „Playing the Enemy“ des Sportjournalisten John Carlin zugrunde.
Neben den beizeiten etwas arg emotionalisierten Spitzen der Inszenierung liegt die einzige Schwäche von Eastwoods Film wohl darin, wie bedingungslos dessen Regisseur seinen Protagonisten verehrt. Auch wenn Gegenteiliges schwerlich einzufordern ist, fehlt der filmischen Charakterisierung somit die letzte energetische, mitunter unangenehme Spannung, die etwa Oliver Stones Nixon-Biografie auszeichnet. Da Eastwood und seinem Film aber kaum die unbestrittenen Errungenschaften Nelson Mandelas anzulasten sind, darf Invictus als gutes Filmportrait gelten, das einer schillernden Persönlichkeit unserer Zeitgeschichte ein sehr „sportliches“, aber überaus würdiges Denkmal setzt.
Wertung: ■■■■■■■■■■■□□□□ (11/15)
© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Februar 2010
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