Donnerstag, 4. Februar 2010

BEYOND A REASONABLE DOUBT

Wer sich als Vorlage eines Remakes ausgerechnet einen Film der Regie-Legende Fritz Lang wählt, gerät schnell in einen unguten Generalverdacht. Zum Glück lässt der amerikanische Action-Spezialist Peter Hyams für seinen neuen Film die zeitlosen Meisterwerke Langs unangetastet – die drei großen M: Metropolis (1927), M (1931) und (Das Testament des Dr.) Mabuse (1933). Stattdessen versucht sich Hyams an einer Neuauflage von Beyond a Reasonable Doubt (1956), einem eher durchschnittlichen Krimi aus der Spätphase Langs.

Entgegen der einschlägigen Werbung, die einen packenden Thriller verspricht, plätschert der Beginn des ebenso betitelten Remakes erstaunlich gemächlich vor sich hin. Einzig den erkennbar professionellen Produktionsumständen ist es zu verdanken, dass sich das Niveau von Beyond a Reasonable Doubt leicht über dem einer Soap Opera bewegt. Jesse Metcalfe, der Gärtner aus der ersten Staffel von „Desperate Housewives“, gibt den ziemlich unglaubwürdigen Nachwuchsjournalisten C.J., der sich auf der Spur einer spektakulären Story wähnt und mit einer jungen Dame anbandelt. Die ist nicht zufällig die Assistentin des Mannes, auf den er es abgesehen hat. Auftritt Michael Douglas, der als smarter Bezirksstaatsanwalt für die erste sehenswerte Szene des Filmes sorgt, insgesamt aber sträflich unterfordert und überbesetzt wirkt. Nach dem kurzen Ausflug in den Gerichtssaal setzt sich die pseudojournalistischen Seifenoper fort, als C.J. den mutmaßlich korrupten Staatsanwalt in eine ausgeklügelte Falle zu locken versucht, dabei aber selbst in akute Lebensgefahr gerät.

Aus der recht viel versprechenden, weil wendungsreichen Geschichte macht Beyond a Reasonable Doubt erschreckend wenig. Stattdessen wirken die schauspielerischen Leistungen so trocken, dass man das Gefühl nicht los wird, im Schnitt sei ein fataler Fehler unterlaufen, es seien versehentlich die jeweiligen Probeaufnahmen im finalen Film gelandet. Die Besetzung durch Michael Douglas erweist sich als vollkommen verschenkt – offenbar nicht mehr als eine vorauseilende Promotion-Maßnahme. Der vermeintlich plötzliche Twist am Filmende kann einige der Kritikpunkte ausmerzen, aber bei weitem nicht alle. Zwar erübrigen sich so Fragen etwa nach dem anfänglichen Vorgehen C.J.s, vieles bleibt dennoch diffus und unausgereift. Mit Beyond a Reasonable Doubt ist Peter Hyams lediglich das unfreiwillige Kunststück gelungen, aus einem mittelprächtigen Thriller einen unterdurchschnittlichen zu zaubern.

Wertung: ■■■■■■□□□□□□□□□ (6/15)

© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Januar 2010