Die Liebeserklärung Paris, je t’aime war erst der Anfang. Dass 2006 rund 20 namhafte Regisseure in filmischen Kurzbeiträgen den Flair, das Wesen einer berühmten Metropole einzufangen versuchten, findet nun in der Kurzfilm-Collage New York, I Love You seine konsequente Fortsetzung. Nachdem Filmemacher wie Tom Tykwer, Alfonso Cuarón und die Coen-Brüder der Stadt der Liebe huldigten, setzen nun zehn weitere Regisseure dem Big Apple ein kinematografisches Denkmal.
Auf den ersten Blick mögen die Namen hinter den New Yorker Episoden nicht gleichermaßen spektakulär klingen wie die von Paris, je t’aime. Wer in den vergangenen Jahren jedoch hin und wieder über den Tellerrand des internationalen Mainstream-Kinos geblickt hat, wird feststellen, dass die Riege der Verantwortlichen ebenso hochkarätig ist. Neben der Inderin Mira Nair (Monsoon Wedding), dem Japaner Shunji Iwai (All About Lily Chou-Chou) und dem Regiedebüt von Natalie Portman hat auch der Deutschtürke Fatih Akin einen sehenswerten Beitrag zu New York, I Love You beigesteuert.
Schnell machen sich gegenüber der Pariser Variation zwei wesentliche Unterschiede bemerkbar. Zum einen ist das qualitative Gefälle innerhalb der Zusammenstellung in New York, I Love You deutlich geringer. Während sich in Paris, je t’aime noch Licht an Schatten reihte, fällt es merklich schwerer, Highlights aus dem zweiten Gemeinschaftsprojekt herauszuheben. Äußerst gelungen ist aber Allen Hughes’ Kurzdrama mit Bradley Cooper, der vielleicht schönste Shekhar Kapurs magisch-melancholischer Beitrag. Geschrieben hat Kapurs Mini-Drama, in dem eine ehemalige Operndiva (anmutig: Julie Christie) auf einen schrulligen Hotelpagen (kaum wiederzuerkennen: Shia LaBeouf) trifft, übrigens Oscarpreisträger Anthony Minghella. Da der kurz vor Beginn der Dreharbeiten im Frühjahr 2008 verstarb, ist ihm der gesamte Film gewidmet.
Zum anderen sind die einzelnen Episoden von New York, I Love You weitaus enger miteinander verknüpft. Während sich im ersten der beiden Kollektivfilme die Mosaiksteine erst nach Abschluss des letzten Kapitels zusammenfügen, ist die New-York-Hommage von Anbeginn einheitlicher strukturiert, tauchen Charaktere in späteren Abschnitten wieder auf. Die beiden Hälften von Yvan Attals kurzem Begegnungsdrama werden gar vollkommen getrennt voneinander gezeigt. Zusätzliche Übergangssequenzen, in denen eine geheimnisvolle Dokumentarfilmerin das Geschehen beobachtet, verstärken den Eindruck, dass New York, I Love You eher einem homogenen Episodenfilm gleicht denn einer eigentlichen Kurzfilmsammlung.
Nach Paris, je t’aime ist die Ehrerweisung der Ostküstenmetropole der zweite Teil der „Cities of Love“-Reihe, die der französische Produzent Emmanuel Benbihy weiter auszubauen plant. Bevor er sich Rio de Janerio, Jerusalem und Mumbai widmen möchte, steht als nächstes Shanghai, I Love You an. Wenn Benbihy für die weiteren Fortsetzungen ähnlich bedeutende Filmemacher gewinnen kann, wie sie sich für das stimmige Gesamtkonzept von New York, I Love You zusammengefunden haben, darf man auf die neuen Liebeserklärungen sehr gespannt sein.
Wertung: ■■■■■■■■■■■■■□□ (13/15)
© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Januar 2010
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