Freitag, 12. Juni 2009

CHE - PART ONE

„Che“ – das ist in Argentinien eine beliebte Anredeformel. Dennoch denkt man in der ganzen Welt nur an diese eine Persönlichkeit der Geschichte, wenn man jenen klangvollen Namen hört: Ernesto „Che“ Guevara. Mit ihrem Versuch, das Leben Ches in einem Spielfilm zu nachzuerzählen, sind die Produzentin Laura Bickford, der Drehbuchautor Peter Buchman und der Regisseur Steven Soderbergh vor einigen Jahren bereits in der Planphase gescheitert. Stattdessen haben sie ihr stetig ausuferndes Projekt auf zwei einzelne Filme erweitert, ähnlich Quentin Tarantinos Kill Bill (2003/2004). Während der zweite Film mit dem Zusatztitel Guerilla, der Ende Juli in Deutschland startet, das Wirken Guevaras in Bolivien behandeln wird, konzentriert sich Che – Revolucion nun erst einmal auf dessen Engagement in Kuba.

Das Unterfangen der beiden Che-Filme steht und fällt mit Benicio Del Toro. Nicht nur ist der Oscarpreisträger (für Soderberghs Traffic, 2000) der derzeit wohl weltweit einzige Schauspielstar, der den berüchtigten Guerillero glaubhaft verkörpern könnte. Del Toro ist als Co-Produzent der Filme überdies einer der Initiatoren des Projektes. Bereits Mitte der Neunziger hatten Bickford und der damals noch weitgehend unbekannte Darsteller das spätere Leben Ches verfilmen wollen. Schnell befand der mit der Recherche beauftragte Autor Buchman jedoch, man müsse sich auch dem „Frühwerk“ Guevaras widmen, um dessen Tun in Bolivien zu verstehen. Im Grunde ist Revolucion nun also eine Art eingebautes Prequel zu Che – Guerilla.

Wie es sich für ein komplex aufgebautes Biopic gehört, beginnt Soderberghs Film mit dem letzten Teil der Chronologie, als Che Mitte der Sechziger Jahre – er ist mittlerweile Industrieminister Kubas – vor den Vereinten Nationen spricht und einer amerikanischen Journalistin (Julia Ormond) ein Interview gibt. Ein Sprung zehn Jahre zurück versetzt uns in die tatsächlichen Anfänge der „Revolucion“: Guevara trifft in Mexico City zum ersten Mal auf den jungen Fidel Castro (Demián Bichir), der aus dem Exil den Sturz des Batista-Regimes in seiner kubanischen Heimat plant. Zunächst schließt sich der studierte Mediziner Che den Revolutionären nur als Arzt an. Während sich der Rebellentrupp langsam durch den Dschungel des südöstlichen Kubas voranarbeitet, entdeckt Guevara sein taktisches Kampfgeschick und steigt bald zum entscheidenden Guerilla-Führer auf.

Auch wenn Che – Revolucion – besonders in den oft schier endlosen Guerilla-Vorstößen – einige Längen hat, ist dieser erste Film des Zweiteilers brillant in seiner Vermittlung des zähen Fortschritts, den die Revoluzzer in ihrem Kampf verzeichnen. Die verwackelte Handkamera, wie immer vom Regisseur höchstselbst geführt, weicht dem Protagonisten nicht von der Seite. Gleichzeitig wird bereits in diesem leichter zu verdauenden Part deutlich, wie differenziert Soderbergh und Konsorten sich der unlängst ikonisierten Figur Che Guevara nähern: Weder verdammen sie dessen Tun pauschal noch beteiligen sie sich an einer unbedachten Fortschreibung des Mythos vom makellosen Weltverbesserer. Stattdessen ist Del Toros Che ein intelligenter Humanist, dessen Methoden zwar martialisch sind, der seiner doppelseitigen Ideologie aber stets treu bleibt. Soderbergh verzichtet in seiner Filmbiografie auf beinahe alle Aspekte einer für das (US-)amerikanische Kino typischen Heroisierung seines Protagonisten.

Einer abschließenden Bewertung entzieht sich Revolucion ohne die Kenntnis von Guerilla – so steht dies zumindest nach diesem ersten Teil zu vermuten. Dass diese nahe liegende Annahme gründlich daneben liegt und die beiden Filme grundverschieden sind, davon wird man sich Ende Juli überzeugen können, wenn Steven Soderberghs ambitionierte Che-Biografie mit Guerilla zu Ende geführt wird.

Wertung: ■■■■■■■■■■■■□□□ (12/15)

© T. Richter (filmversteher@gmail.com), Juni 2009

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